Kommentar
TrennungVon Stefan Winter
Thyssen und Krupp – mehr deutsche Industriegeschichte ist in zwei Worten schwer unterzubringen. Von einem wichtigen Teil dieser Geschichte, dem Edelstahlgeschäft, trennt sich der Konzern jetzt. Überhaupt prägten Trennungen das erste Jahr des von Siemens geholten Konzernchefs Heinrich Hiesinger. Von kleinen Tochtergesellschaften bis zu großen Sparten wurde Vieles zu Geld gemacht, zuletzt die Werft Blohm+Voss. Dass sich dabei auch die Verbindung zum Vorgänger Ekkehard Schulz löste, komplettiert das Bild vom Ende einer Ära. Für jede Trennung gab es gute Gründe, meist mangelnde Größe oder extreme Geschäftszyklen. Doch was jetzt neu beginnen soll, ist weniger klar. Vom restlichen Stahlgeschäft, nach Weltmaßstäben mittelgroß, ist selten die Rede. Die noch von Schulz entschiedene Teilung des Konzerns in zwei Sparten legt die Idee nahe, für den Stahl einen Partner zu suchen. Er wolle vor allem die Technologiesparte stärken, hat Hiesinger angekündigt, dafür brauche er das Geld aus den Verkäufen. Ihm schwebe ein diversifizierter Industriekonzern vor. Doch der will noch nicht so recht Gestalt annehmen. Die bisherigen Akquisitionen gerieten ausgesprochen kleinteilig, der Chef bittet selbst um Geduld. Am müden Aktienkurs der vergangenen Monate kann man ablesen, dass die den Anlegern fehlt.
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