Kommentar
HakenVon Carola Böse-Fischer
Ein bisschen ist es wie im Märchen von Hase und Igel. Im Wettrennen um knappe und teurere Rohstoffe sind die Chinesen am Ziel, ehe die deutsche Industrie überhaupt aus den Startlöchern kommt. Um ihren Bedarf zu sichern, setzt die Volksrepublik in armen, aber an Bodenschätzen reichen Ländern wie in Afrika auf eine simple Strategie: Geld etwa für die Infrastruktur gegen Ausbeutung der Rohstoffe. Bei Seltenen Erden, ohne die keine Handys oder Computer hergestellt werden könnten, ist China sogar größter Produzent – und kontrolliert Markt und Preise nach Belieben. Das Nachsehen haben auch deutsche Firmen – weil sie vor Jahren, als strategische Rohstoffe wie Kohle oder Erz im Überfluss vorhanden und billig zu haben waren, die eigene Versorgung aufgaben. Das erweist sich heute als folgenschwerer Fehler. Nach der Devise „gemeinsam sind wir stark“ soll er ausgemerzt werden – mit einer „Allianz zur Rohstoffsicherung“. Die Idee klingt gut: Was einer allein nicht schaffen kann, gelingt eher, wenn alle zusammenlegen. Die Sache hat jedoch Haken. Selbst wenn man ein ressourcenreiches Land als Partner gewinnt, ist es fraglich, ob das Geld für Großprojekte reicht. Die müssten es wohl sein, um die heimische Industrie zu versorgen. Streit könnte es geben, wenn Prioritäten gesetzt werden müssen. Da liegt das größte Problem: Die Rohstoffinteressen der Unternehmen sind nicht deckungsgleich. Ein Erfolg der Allianz ist mithin keineswegs sicher. Eher zum Ziel kann da eine eigene Strategie führen, die in kluger Einkaufspolitik bei unterschiedlichen Quellen besteht.
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