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Berechnung für Überschwemmungsgebiet

Wenn der Bach zum reißenden Fluss wird…

Eimbeckhausen (st). Wenn zurzeit in Eimbeckhausen ein junger Mann mit einem seltsamen langen Stab unterwegs ist, dann kann das für Grundstücksbesitzer im münderschen Ortsteil weitreichende Konsequenzen haben. Besonders dann, wenn sich deren Grundstücke in unmittelbarer Nähe zum Eimbeckhäuser Bach befinden. Hier nämlich könnte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sogenannte HQ-100-Gebiete ausweisen – Überschwemmungsgebiete.

Geograf Vadim Matyash vermisst den Lauf des Eimbeckhäuser Baches

Vadim Matyash, so der Name des jungen Mannes, der gelernter Geograf ist, schreitet mit seinem Stab bedächtig entlang der Bundesstraße 442 am Eimbeckhäuser Ortsausgang in Richtung Lauenau. Mütze gegen die Sonne, Leuchtweste zur Unfallverhütung, Rucksack zum Transport wichtiger Gerätschaften. Wichtige Gerätschaften? Was verbirgt sich denn da auf Matyashs Rücken? Und was hat es mit dem rund zwei Meter hohen Stab auf sich?

„Was unser Mitarbeiter bei sich hat, nennt sich hochauflösendes Echtzeit-Positionierungssystem“, erklärt Dr. Michael Franke vom hannoverschen Unternehmen Geum Tec. Im Auftrag des NLWKN vermisst Geum Tec den Eimbeckhäuser Bach. Hintergrund ist die Ausweisung von HQ-100-Gebieten. „Das sind Bereiche, in die das Wasser laufen würde, wenn wir ein Hochwasser annehmen, das statistisch einmal pro Jahrhundert auftritt“, erklärt NLWKN-Pressesprecher Achim Stolz.

Bestehende HQ-100-Gebiete im Verlauf der Hamel und der Rodenberger Aue hatten in jüngster Vergangenheit Einfluss auf die Entwicklung des Fachmarktzentrums an der Bahnhofstraße und die geplante Kindertagesstätte in Bakede. In ausgewiesenen Gebieten sind strenge Bauauflagen einzuhalten.

Bakedes Ortsbürgermeister Rolf Wittich hat in seinem Ortsteil bereits Erfahrungen mit dem Thema gemacht. Hier wurden vor einiger Zeit die Überschwemmungsgebiete der Rodenberger Aue ausgewiesen. „Alle Flächen, die in das HQ-100-Gebiet fallen, dürfen nicht bebaut werden“, weiß Wittich. „Das hat auch zur Folge, dass der Wert der betroffenen Grundstücke rapide fällt.“

Bereits stehende Gebäude haben – auch wenn sie im Überschwemmungsgebiet liegen – Bestandsschutz. „Die Hausbesitzer bekommen nur Probleme, wenn sie anbauen wollen.“ Die Bebauung von HQ-100-Flächen ist laut Wittich nur möglich, wenn im Gegenzug Ausgleichsflächen zum Abfließen des möglichen Hochwassers geschaffen werden.

Bevor allerdings die Gebiete ausgewiesen werden können, müssen die durch Matyash gewonnenen Daten zunächst bei Geum Tec in Hannover verarbeitet werden, dann veröffentlicht der NLWKN die Ergebnisse im niedersächsischen Ministerialblatt. Die endgültige Festlegung der Gebiete übernimmt nach der vorgeschriebenen Öffentlichkeitsbeteiligung die Untere Wasserbehörde des Landkreises.

Aber: Wie wird aus den gemessenen Koordinaten eine Darstellung der Überschwemmungsgebiete? „Die durch die Vermessung gewonnen Daten nutzen wir zu einer hydraulischen Berechnung mithilfe von Computern“, sagt Franke. „Um das Gewässer am PC zu simulieren, brauchen wir zwingend die Topografie des Bachlaufes.“ Wenn dann das dreidimensionale Modell des Dorfbaches erstellt worden ist, schickt der Computer die Wassermengen des statistischen Jahrhunderthochwassers durch das Flussbett. „Auch die möglichen Überschwemmungsgebiete haben wir vermessen, sodass wir sehen können, wohin das Wasser fließen würde.“

Die Ergebnisse für Eimbeckhausen werden noch bis Ende des Jahres auf sich warten lassen, kündigt NLWKN- Sprecher Stolz an.



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