Springe
„Schüler haben Generalverdacht nicht verdient“Die Vielzahl der Schüler engagiert sich für das OHG – die Leitung spricht von einem intakten Sozialgefüge. Foto: ric
Springe (ric). Das Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) wehrt sich gegen Mobbing-Vorwürfe. Im Gespräch mit der NDZ erläutern die kommissarische Leiterin Dr. Kerstin Prietzel, Beratungslehrer Arnold Enzweiler und Schulelternratsvorsitzender Ulrich Siegmund, welche Maßnahmen ergriffen worden seien.
„Einen Generalverdacht hat unsere Schülerschaft nicht verdient“, sagt Prietzel und weist darauf hin, dass das OHG in dieser Sache nicht handlungsunfähig sei. Nach dem Selbstmord des 14-jährigen Jungen sei Krisenarbeit in großem Umfang geleistet worden. Notfallhelfer hätten die Klasse im achten Jahrgang betreut, umgehend sei mit einem „umfassenden Netz“ gearbeitet worden. Außerdem sei mit verschiedenen Experten der Polizei gesprochen worden. „Fachleute bestätigen uns den souveränen Umgang mit der Situation“, betont die Studiendirektorin.
Ein derartiges Präventionskonzept könnten andere weiterführende Schulen kaum aufbieten. Grundsätzlich gebe es regelmäßig vorbeugende Maßnahmen durch Streitschlichter, Konfliktlotsen und Mediatoren – in allen Klassen und Jahrgängen. „Damit möchten wir dazu beitragen, Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen“, sagt Prietzel. Der Erziehungsaufgabe stelle sich die Einrichtung mit großer Ernsthaftigkeit.
Der Elternrat stört sich an der Anonymität der Gerüchte. Dabei zeuge es von Zivilcourage, Namen zu nennen. „Das Thema ist hoch sensibel“, weiß Siegmund. Darum sei die Schule um Aufklärung bemüht. „Natürlich wird hier unterschwellig gemobbt – aber die Gerüchte platzen wie Seifenblasen, wenn wir ihnen nachgehen.“ Beratungslehrer Enzweiler weist darauf hin, wie stark sich die Vielzahl der Jugendlichen für ein intaktes Sozialgefüge engagiere – im Übrigen auch die Eltern.
„Wenn wir hier keine gute Arbeit leisten würden, dann würden auch nicht 150 Mütter ehrenamtlich in der Cafeteria arbeiten“, ist der Pädagoge überzeugt.
Auch in Zukunft will das Springer Gymnasium mit der Trauerarbeit nach dem Suizid nicht nachlassen. Weitere Angebote seien in Planung, kündigt die Schulleitung an.