Hessisch Oldendorf
Die richtige Dosis vergnüglicher Unterhaltung Ihre Vielseitigkeit stellten die Musiker des Akkordeon-Kammerorchesters Hannover unter Beweis.
Foto: ah
Hessisch Oldendorf (ah). „Heute haben viele etwas verpasst“, meinte Hermann Faust von der Stadtverwaltung. Nur gut 40 Gäste waren am Freitagabend zum Konzert des Akkordeon-Kammerorchesters Hannover ins Kultourismusforum gekommen. Sie erlebten einen erfrischend vielseitigen Abend – genau die richtige Dosis vergnüglicher Unterhaltung nach einer Arbeitswoche. Das Instrumental-Ensemble, mit Akkordeon, Bass-Akkordeon, Elektronium, Percussions und Schlagzeug besetzt, zeigte mit der Titelmelodie aus dem Musical „Hello Dolly“ gleich zum Auftakt, was es auf dem Kasten hat. Im Arrangement von Wolfgang Russ groovte, swingte und jazzte es gewaltig.
Die ersten beiden Sätze aus der Suite „Zirkus, Zirkus“ von Adolf Götz hüllten die Zuhörenden in Fanfaren und große Emotionen ein. Gute-Laune-Musik folgte mit „Carpenters forever“, einem Medley der Hits des amerikanischen Geschwisterpaares aus den 70er Jahren. Wunderbar zum Tanztee geeignet: „Charlston Baby“ von Renato Bui, bei dem das Publikum sofort mitging. Dirigent Arne Steinmeier, einst selbst Spieler im 1955 gegründeten Orchester und seit 1991 dessen Leiter, lebte die Stücke förmlich mit.
Beim Evergreen „Gigolo“ verstand es das 20-köpfige Laienorchester, mit seinen Handzuginstrumenten wie Bläser abzugehen; Schlagzeug und verstärktes Bass-Akkordeon sorgten für den Groove. Köpfe und Füße des Publikums wippten begeistert mit. Dabei war „Gigolo“ nur das Vorspiel zum anspruchsvollen „Let’s Rag again“ des russischen Bajan-Akkordeonisten Andrej Mouline, das sich bis zum furiosen Ende steigerte. Herrlich emotional und rhythmisch stark auch die Klezmer-Rhapsodie „Mazeltow“ von Mouline mit dem „Hava Nagila“-Thema. Barock, Pop und Jazz verband Jacob de Haans „Concerto d’amore“.
1993 komponierte der Jazzakkordeonist Richard Galliano den wunderschönen „Tango pour Claude“. Der riss auch die Akkordeonisten mit, die innerlich mit ihren Instrumenten zu tanzen schienen. Wie ein großes Orchester spielte das Ensemble bei „Mas que nada“, arrangiert von Hans-Günther Kölz, auf; Bass-Akkordeon und Schlagzeug ließen die Samba pulsieren. Zum Finale präsentierten die Hannoveraner das One-Hit-Wonder „New York, Rio, Tokio“ und „Tom Jones‘ Greatest Hits“. Mit den Zugaben „Salto Mortale“ und „Sunny“ verabschiedete sich das Orchester, das lang anhaltenden Applaus erntete. „Bei so einem Publikum kommen wir gerne wieder“, versprach der organisatorische Leiter des Kammerorchesters, Wolfgang Potthoff.