Springe

„Die Schule steht noch immer unter Schock“

Springe (ric). Nach mehreren Vorfällen rund um Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) werden die Forderungen aus der Elternschaft immer lauter, den Problemen um Mobbing und Gewalt auf den Grund zu gehen. „Es müssen dringend vernünftige Gespräche geführt werden“, fordert die Mutter des Jungen, der vergangene Woche zusammengeschlagen wurde.

Drei Stunden dauerte gestern die Operation, die der 13-Jährige an der Augenklinik der Medizinischen Hochschule durchmachen musste. Glücklicherweise sei alles gut verlaufen, berichtet die Mutter, allerdings werde der Junge sein Leben lang Spätfolgen haben. Die Mutter möchte, dass das OHG auch in puncto Facebook verstärkt Aufklärung betreibt – das soziale Netzwerk werde gerade von den Jugendlichen als Mobbing-Instrument missbraucht.

Gegenüber der NDZ hatte Schulleiterin Dr. Kerstin Prietzel gesagt, ihr Kollegium würde gerne reagieren, sei aber auf konkrete Hinweise angewiesen. Unterstützung externer Fachleute hat sich die Schule zumindest bei der Polizei noch nicht eingeholt, wie Kontaktbeamter Karl-Heinz Friedrich mitteilt: „Wenn die Schule Hilfe braucht, sollte das über die Schulleitung kommen.“ Problematisch: Von üblicherweise drei sogenannten Schulpaten kann die Polizei wegen personeller Engpässe zurzeit nur einen Beamten für diese Aufgabe abstellen. Friedrich weist allerdings auf das Präventionsteam der Polizeiinspektion Garbsen hin – dieses würde vor Ort tätig werden, wenn es denn angefordert werde.

Interne Hilfsangebote gebe es auch, so OHG-Beratungslehrer Arnold Enzweiler. Er betont aber, dass Schule nur einen Teil der Öffentlichkeit darstellen könne. Die Frage sei auch, wie Eltern ihre Kinder erziehen, denn: „Mobbing geht nach dem Unterricht weiter.“ Mangelt es dem besonders betroffenen achten Jahrgang an Einfühlungsvermögen? „Die Jugendlichen befinden sich mitten in der Pubertät, da entstehen Gruppendynamiken“, weiß Enzweiler. Jungs würden ihre Männlichkeit unter Beweis stellen wollen, Mädchen Schönheitsidealen aus dem Fernsehen nacheifern – wer nicht ins Schema passe, bekomme den Druck zu spüren.

Nach dem Tod des 14-Jährigen, der sich verzweifelt das Leben genommen haben soll, sei an der Schule viel gearbeitet worden, so der Beratungslehrer. 1300 Kinder und Jugendliche saßen Ende Januar zu Schweigeminute und Ansprache zusammen – „in ganz tiefer Betroffenheit, die Schule steht noch immer unter Schock“. Zwar suchen Schüler regelmäßig die Hilfe des Beratungslehrers: „Aber manche haben auch Angst, darum können wir gar nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen.“

Unterstützung bietet auch die Kirche an. Abgestimmt mit dem Elternrat hat Pastor Eckhard Lukow Kontaktdaten für Telefon-, Chat- und Mailseelsorge gesucht, die Schülern, aber auch Eltern und Lehrern in Krisensituationen helfen sollen. „Durch den Konfirmandenunterricht haben wir vieles mitbekommen“, sagt Lukow. Sein Kollege Klaus Fröhlich glaubt, dass die Vorfälle miteinander zu tun haben. „Sie sind Ausdruck unverarbeiteter Trauer.“

Artikel vom 14.02.2012 - 00.01 Uhr
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