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„Wenn man denkt, wie alt wir sind, ist das erstaunlich“
Von Christian Zett

Frisch verlobt: Helmut Schmidt und Brigitte Langner-Howind. zett

Altenhagen I. Sie ist mit ihren siebzig Jahren die Jüngste im Seniorenzentrum „Alte Molkerei“. Und deshalb, sagt Helmut Schmidt (74), „deshalb habe ich sie auch genommen.“ Er lacht und schaut zu Brigitte Langner-Howind hinüber. Das Paar ist frisch verliebt, frisch verlobt – „und wenn man denkt, wie alt wir sind, dann ist schon erstaunlich“, sagt sie.

Seine Augen sind es, die Brigitte Langner-Howind verzaubern, als sich die beiden vor gerade einmal vier Wochen so richtig kennenlernen. „Beobachtet habe ich ihn schon länger“, gesteht sie. Bei Chorfesten, bei der Ergotherapie begegnen und unterhalten sie sich sporadisch. Beim Sommerfest vor gut einem Monat fasst sich Brigitte Langner-Howind schließlich ein Herz und setzt sich zu Helmut Schmidt auf die Bank. Die beiden kommen richtig ins Gespräch, finden einander interessant – und von da an werden die Besuche zwischen dem ersten und dem zweiten Stock immer häufiger. Kartenspiele. Stundenlange Gespräche. Alte Fotos schauen. Musik hören – er Jazz, sie Klassik, aber beide zusammen.

Im Scherz erzählt Brigitte Langner-Howind schließlich Pflegedienstleiterin Nicole Wojakowski, sie habe sich verlobt. Die glaubt es – und kurz darauf klopft es an der Zimmertür der 70-Jährigen: „Frau Wojakowski wollte wissen, ob wir die Verlobung in der Hauszeitung bekannt geben wollen.“ Die Verliebten schauen sich an, lachen – „wir sind doch gar nicht verlobt.“ Aber dann unterhalten sie sich noch einmal – und beschließen, ernst zu machen. Für Wojakowski ist die Verlobung in ihrer Karriere eine absolute Premiere: „Nur Pärchen hatte ich schon mal – und die Gerüchteküche.“

Dass es bei den beiden schließlich so schnell geht, dafür hat Helmut Schmidt – „Nichtraucher, parteilos“, wie er betont – aber auch eine einleuchtende Erklärung parat: „Schließlich wollen wir die Silberhochzeit noch feiern.“ Doch so naheliegend das Thema ist – dabei werden die Verliebten schnell ernst: „Hochzeitsgedanken haben wir uns schon gemacht“, sagt Brigitte Langner-Howind. „Aber der Staat kürzt uns die Rente, wenn wir das wirklich machen. Das können Sie ruhig dick gedruckt schreiben.“

Sie streichelt ihrem Helmut über den Arm, als er von seiner Verlobten schwärmt: „Sie ist keine Mimose, steht mit beiden Beinen im Leben. Das ist für mich wichtig.“ Wichtig sind für beide aber auch die vielen Gemeinsamkeiten, die sie aneinander entdeckt haben. Da sind die Probleme mit den Beinen – er links, sie rechts. Und Helmut Schmidt weiß, was Liebe kann: „Wenn wir uns einhaken, dann humpeln wir nicht mehr.“

Artikel vom 02.09.2010 - 00.00 Uhr
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