Springe

Stadtmanagerin: Klares Bekenntnis statt Kündigung

Springe (mf/ric). Vor wenigen Wochen stand ihre Stelle noch zur Disposition – jetzt soll sie sogar aufgewertet werden: Politik und Verwaltung haben beschlossen, Stadtmanagerin Anike Fritz mit zusätzlichen Aufgaben zu betrauen. Ihre bislang auf drei Jahre befristete Stelle soll vorzeitig in eine unbefristete umgewandelt und außerdem höher dotiert werden.

Der Finanzausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung einen entsprechenden Änderungsvermerk im Stellenplan abgenickt. Sollte das Papier auch noch Verwaltungsausschuss und Rat passieren, steht einer dauerhaften Übernahme der Stadtmanagerin nichts mehr im Wege. Andernfalls würde das Arbeitsverhältnis der 31-Jährigen am 31. März 2011 enden.

Die Politik folgt damit einem Antrag der SPD-Fraktion, die sich bereits im vergangenen Sommer dafür eingesetzt hatte, Fritz langfristig an Springe zu binden. Obwohl Bürgermeister Jörg-Roger Hische die Stelle unlängst noch demonstrativ zur Streichung vorgeschlagen hatte, um der Forderung des Rates nach Personalkosteneinsparungen nachzukommen, zeigte er sich jetzt erleichtert: Fritz habe gute Arbeit geleistet. Die Aufwertung der Stelle sei ein wichtiges Signal.

Konsens ist auch, dass die gebürtige Lüneburgerin mehr Geld bekommen soll. Umstritten ist aber, ob sie in der Besoldung um eine oder gleich um zwei Stufen raufgruppiert wird, wofür Hische plädiert. Er halte dies für vertretbar, weil eine Stufe unterm Strich keine nennenswerte finanzielle Verbesserung bringe und Fritz’ Arbeit „herausragend in ihrer Bedeutung und öffentlichen Wahrnehmung“ sei, wie er formuliert. Widerstand dagegen gibt es vom Personalrat der Stadtverwaltung, der offenbar eine Ungleichbehandlung fürchtet.

Fritz soll künftig zusätzlich als Pressesprecherin fungieren und das Kulturmanagement übernehmen. Eine entsprechende Fortbildung absolviert sie laut Hische derzeit bereits.

Während die Stelle der Stadtmanagerin aufgewertet wird, muss das Museum künftig vermutlich ohne wissenschaftliche Mitarbeiterin auskommen. Im Konsolidierungskonzept ist ein Personal- und Betriebskostenzuschuss von 21 000 Euro zur Streichung vorgesehen. Im Finanzausschuss wurde die Maßnahme mit keiner Silbe thematisiert – was die Kämmerei nach eigenen Angaben als Billigung interpretiert. Möglicherweise kommt das Thema aber im Verwaltungsausschuss noch einmal auf den Tisch, weil dort noch über eine weitere 4000-Euro-Zuwendung für das Museum gesprochen werden soll. Davon sind laut Kämmerei 2400 Euro ein freiwilliger Zuschuss, während die übrigen 1600 Euro vertraglich als Mitgliedsbeitrag der Stadt im Museumsverein deklariert sind. Wollte die Kommune die Summe komplett einsparen, müsste sie aus dem Verein austreten, was der ohnehin schon verärgerte Vorstand wohl als weiteren Affront werten würde.

Auf den ersten Blick erschien der Gedanke des Ersten Stadtrates Hermann Aden abwegig, zumindest für die Vertreter der SPD: Der Fachbereichsleiter schlägt nämlich vor, mit Holz Kohle zu machen und möglicherweise den münderschen Stadtforst zu kaufen. Es gelte zu prüfen, ob die Ertragsbasis im städtischen Forst noch zu steigern sei. „Vielleicht ist es sinnvoll, Geld auszugeben, um nachher mehr Geld einzunehmen“, sagte Aden.

Die Schließung der kleinen Verwaltungsaußenstellen in Gestorf und Völksen zum Jahresende scheint unausweichlich: Laut Finanzfachbereichsleiter Gerd-Dieter Walter würden die geringen Besucherzahlen die hohen Sachkosten nicht rechtfertigen. Vor allem die Software-Lizenzen für das Einwohnermeldewesen, mit dem für Reisepässe und Personalausweise sensible Daten übermittelt werden, koste die Stadt dort bis zu 10 000 Euro im Jahr. Der Ausschuss nickte den Punkt ab, wobei es auch Bedenken gab. In Zusammenhang steht die Schließung mit der möglichen Schaffung eines zentralen Bürgerbüros in der Kernstadt, denkbar ab 2012. In zwei Jahren läuft nämlich die Förderung für das Familienbüro aus.

Die Stadtbibliothek soll zwar nicht geschlossen werden, dafür sollen die Nutzer bei der Ausleihe tiefer in die Tasche greifen: Der Ausschuss sprach sich für eine moderate Gebührenanhebung aus. Zudem sollen die Personalkosten binnen fünf Jahren um 30 Prozent sinken.

Insgesamt gilt: Das letzte Wort hat der Rat am 18. März.

Artikel vom 06.03.2010 - 00.00 Uhr
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