Springe

Rechnungshof: Krankenhaus Springe ist zu klein
Springe (mf). Eigentlich schien das Thema vom Tisch, doch nun wird es wieder aus der Schublade geholt: eine drohende Schließung des Krankenhauses Springe. War es vor einigen Jahren die Region Hannover, die den Fortbestand des Klinikstandortes infrage gestellt hatte, ist es nun der niedersächsische Landesrechnungshof.
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In einem aktuellen Prüfbericht zur Situation der Krankenhäuser, den sie dem Sozialministerium zur Stellungnahme vorgelegt hat, kritisiert die Behörde die zu große Zahl von Kliniken im Land. Häufig gebe es nicht nur Doppel-, sondern sogar Mehrfachangebote für medizinische Dienstleistungen auf engem Raum.

Der Rechnungshof fordert das Land in diesem Zusammenhang auf, schnellstens das inzwischen sechs Jahre alte Krankenhausstrukturkonzept zu überarbeiten, damit nicht länger „erhebliche Mittel fehlgeleitet werden“, wie es heißt. Auf Seite 33 des als vertraulich eingestuften Berichts wird exemplarisch der Zusammenschluss der Krankenhäuser Gehrden und Springe empfohlen, die beide zum Klinikum Region Hannover gehören. Auf Einzelheiten geht die Studie nicht ein.

Nach NDZ-Informationen hat der Rechnungshof, der pikanterweise von dem Springer Richard Höptner als Präsident geleitet wird, ausdrücklich die Frage offen gelassen, welche der beiden Städte als Standort favorisiert wird. Fest steht: Das Robert-Koch-Krankenhaus in Gehrden (317 Betten) ist deutlich größer als Springe (132). Außerdem wurden in den vergangenen Jahren bereits Abteilungen in Springe aufgelöst und nach Gehrden verlagert – etwa die Küche.

Beide Häuser sind seit Anfang 2006 eng verzahnt. Ein Teil des Personals ist ortsübergreifend an beiden Einrichtungen tätig. Für den kaufmännischen Bereich und den Pflegedienst gibt es sogar eine gemeinsame Leitung.

Dennoch: Nach Auffassung des Landesrechnungshofs sind die Bemühungen, durch Synergien Einsparungen zu erzielen, beide Kliniken aber als selbstständige Einheiten zu erhalten, nicht ausreichend. Sehr zum Verdruss der Verantwortlichen vor Ort: „Ich kann die Einwände nicht nachvollziehen, möglicherweise wurde da auch auf Grundlage uralter Zahlen geurteilt“, schüttelt Wolfgang Grotstück, kaufmännischer Direktor beider Kliniken, verständnislos den Kopf. Er vermutet „eher strategische Überlegungen“ als Hintergrund.

In dem Bericht wirft der Landesrechnungshof dem Sozialministerium vor, auf die Entwicklung im Gesundheitswesen nicht im erforderlichen Maß reagiert zu haben. Nachdem viele Krankenhäuser in den vergangenen Jahren ihre Bettenzahl reduzieren mussten, seien die kleineren Kliniken jetzt noch weniger wirtschaftlich. Das Land habe es versäumt, sie zu schließen.

Ministeriumssprecher Thomas Spieker hält die Kritik für ungerechtfertigt. Im Krankenhausplanungsausschuss sei ein Konzept erarbeitet und größtenteils auch schon umgesetzt worden, um die Kliniken „zukunftsfest“ zu machen. Konsequent seien Betten-Überkapazitäten abgebaut worden – mehr als in allen anderen Bundesländern. Andererseits sei es erklärtes Ziel, die Patienten „auch in den nächsten Jahrzehnten qualitativ hochwertig und wohnortnah medizinisch zu versorgen“, machte Spieker deutlich.
Artikel vom 09.02.2010 - 00.00 Uhr

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