Springe
Nervig: Wenn Werber mein Auto kaufen wollen Von Markus Richter
Springe/Eldagsen. Es ist mein liebstes Kind, ja, es ist mein einziges: mein Auto. Mit ihm bin ich mal wieder unterwegs, parke auf dem Stellplatz des Klinikums an der Eldagsener Straße. Kaum hab ich mich ein paar Schritte entfernt, steht er da. Der Mann. Er will mein Auto kaufen. Das soll zumindest seine Karte aussagen, die er nicht ohne Gewalt ins Türgummi presst.

In Springe werben immer mehr Autohändler mit illegal angebrachten Kärtchen. Foto: ric
Ich ahne es schon, dieser Mann ist kein treuer Liebhaber, er ist ein Blech-Gigolo. Denn auch andere Karossen haben es ihm angetan. Der blass-silberne Golf, Baujahr 94, genauso wie die schwarz-glänzende neuwertige E-Klasse von Mercedes. Routiniert schreitet der Kfz-Fummler von Wagen zu Wagen, quetscht, schiebt, klemmt, was das Zeug hält – und hat offenbar nicht den Hauch eines schlechten Gewissens. Jedoch: Was er da gerade begeht, ist eine Ordnungswidrigkeit.
„Das ist zugegeben eine nervige Sache, neben Unmut verursachen diese Menschen auch noch Müll, wenn die Kärtchen auf dem Boden landen“, weiß Karsten Kohlmeyer vom Springer Fachbereich Ordnung. Rein rechtlich handele es sich um eine „genehmigungspflichtige Sondernutzung“. Die würde Geld kosten, wenn die Stadt sie ausstellen würde. „Machen wir aber bestimmt nicht“, sagt Kohlmeyer. Gerade hat das Oberlandesgericht Düsseldorf über die Rechtslage entschieden. Kärtchen-Verteiler müssen sich damit ein „Okay“ bei der zuständigen Behörde holen und dafür zahlen – ähnlich, wie es Einzelhändler tun, die mit einem Schild auf dem Gehweg werben, oder Gastronomen, die Tische und Stühle vor ihr Lokal stellen. Die Praxis, sie sieht jedoch anders aus. Zumindest, solange niemand die Kartenklemmer anzeigt. Und das soll in Springe nach Kohlmeyers Wissen auch noch nicht passiert sein.
Die Richter (die in Düsseldorf) haben entschieden, dass die Straße „vor allem der Fortbewegung, aber auch der Kontaktaufnahme und der Kommunikation dienen“ sollte. Und: Ein Einverständnis der Pkw-Halter zu dieser Form von Werbung könne man nicht voraussetzen.
Das wilde Werben geht dennoch weiter. Am vergangenen Wochenende beispielsweise, als sämtliche wehrlos parkenden Autos an der Bahnhofstraße und am Niederntor zugemüllt wurden, auch in Eldagsen oder Bennigsen tauchen die Karten immer wieder auf. Wer auf eines dieser Angebote eingeht, riskiert, über den Tisch gezogen zu werden, warnen Verbraucherschutzexperten. Noch mal zurück zum Krankenhaus-Parkplatz: Der Kumpane des Kärtchenmannes sitzt seelenruhig in seinem Wagen und wirkt nicht sehr vertrauenserweckend. Kommentarlos drücke ich ihm das komische Kärtchen zurück in die Hand – und ärgere mich später, dass ich es nicht direkt bei seiner Karre hinter den Wischer geklemmt habe...