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Die kleine Firma im VerborgenenUrsula Pegel bei der Arbeit in ihrem Büro in Eldagsen.
Eldagsen (jemi). Vor ziemlich genau 100 Jahren zog Gerhard Ernst mit einem riesigen Reisekoffer, fast so groß wie ein Schrank, durch die Lande. In dem Koffer befanden sich Bücher in Hülle und Fülle. Es waren die ersten Schritte von Ernst und seiner Versandbuchhandlung. Heute muss Ursula Pegel, die jetzige Inhaberin, keine langen Reisen mehr mit einem Koffer unternehmen. In einem Einfamilienhaus in Eldagsen befindet sich ganz unscheinbar das Büro der Buchhandlung.
Nur der Briefkasten draußen neben der Haustür deutet darauf hin, dass sich in dem Haus nicht nur das private Leben der vierköpfigen Familie abspielt, sondern auch Geschäfte getätigt werden. „Mit zwei Kindern ist es natürlich ideal, von zu Hause arbeiten zu können“, erklärt die 44-jährige Chefin. Aber es setze viel Vertrauen voraus – denn auch ihre beiden Mitarbeiterinnen Anneliese Pfannenschmid und Heike Finze bewegen sich frei in dem Haus.
Das jedoch sorge für eine familiäre Atmosphäre während der Arbeit, findet Pegel: „Ich bin froh, wie alles gekommen ist. Zum Glück habe ich kein Geschäft mit einem Sortiment übernommen“, sagt sie – „denn das würde den Arbeitsrahmen sprengen. Ich weiß manchmal nicht, wie Buchhändler mit Laden ihre zahlreichen Aufgaben erledigen.“
Als Ursula Pegel 1997 bei der Versandbuchhandlung Ernst als Angestellte anfing, war ihr noch in keiner Weise bewusst, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt die kleine Firma übernehmen würde. Doch als die Vorbesitzer die Versandbuchhandlung aus Altersgründen abgeben wollten, übernahm Pegel die Verantwortung.
Seit Anfang 2007 ist sie nun ihr eigener Chef. Neben der alltäglichen Arbeit, die vor allem aus den Bestellungen von Büchern bei Verlagen und Zwischenbuchhändlern besteht, kümmert sich die gebürtige Emsländerin um die Kontaktpflege ihrer wichtigsten Kunden. Das sind Bibliotheken, Schulen und Universitäten – diese Einrichtungen besucht sie regelmäßig und bislang bleiben ihr die Kunden auch treu. Auch wenn die Wirtschaftskrise an den Bildungsinstitutionen nicht vorbei gegangenen sei, sagt Pegel.
Aber auch in Eldagsen wird sie seit dem Umzug aus Bennigsen vor drei Jahren immer bekannter. Ab und zu klingeln die Leute an der Tür oder rufen an und bestellen ein Buch. Das freut die gelernte Industriekauffrau: „Ich habe nicht nur Fachliteratur – ich kann auch Belletristik und Sachbücher für Privathaushalte bestellen.“ Spaß machen ihr auch kniffelige Aufgaben, bei denen viel Recherche notwendig ist, um den Auftraggeber zufriedenzustellen. Erst neulich sollte sie für eine Bibliothek eine DVD-Reihe auftreiben, die jedoch überall vergriffen war. Nach langer Suche stöberte sie beim Herausgeberinstitut noch ein komplettes Exemplar im Keller auf. „Alle waren happy“, erinnert sich die Eldagserin.
Mit den Anfängen und der langen Geschichte der Versandbuchhandlung Ernst wurde Pegel vor ein paar Monaten durch einen schönen Anruf konfrontiert. Die 95-jährige Nichte von Gerhard Ernst meldete sich bei der 44-Jährigen. Ihr Neffe hatte die Homepage der Buchhandlung im Internet gefunden.
„Das war ein total interessantes Gespräch“, so Pegel, die noch einiges aus den Anfangszeiten ihrer Firma erfuhr. Der Gründer hatte viel erlebt: Sein Geschäft, damals noch in Hannover, wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt, daraufhin flüchtete er nach Bennigsen. „Es ist schon spannend zu sehen, mit welchen äußeren Umständen Gerhard Ernst damals zu kämpfen hatte“, meint Pegel. Ihr gefällt die Tradition der Buchhandlung. Im kommenden Jahr wird der 100. Geburtstag dann natürlich auch groß gefeiert. Vielleicht feiert sie dann auch das Telefon und das Internet – die beiden Erfindungen ersparen ihr schließlich das Reisen mit dem großen Koffer.