Springe
Der breiteste Radweg der StadtVon Christian Zett
Springe. Ja, mir san in der Tat mit‘m Radl do. Und zwar gleich in Scharen. Die Springer und die Münderaner erobern sich einen wunderbaren autofreien Sonntag lang die noch bis Mittwoch gesperrte Landesstraße 421. Und ich bin mittendrin. Ein Erlebnisbericht.
Den ersten Skatern und Radfahrern begegne ich schon mitten in der Innenstadt. Und da ahne ich, dass der Tag ohne Motoren auf der L 421 eine erfolgreiche Premiere feiern wird. An der ersten Absperrung nahe der Hamelner Straße treffe ich gleich Mitorganisatorin und Stadtmanagerin Anike Fritz. Sie rüstet mich mit einem grünen „Springe saustark“-Sattelüberzieher aus – und klingt zufrieden: „Es ist gut was los – nicht nur an den Versorgungspunkten, sondern auch auf der Strecke.“
Davon überzeuge ich mich jetzt selbst – und radle los. Es geht vorbei an Inline-Skatern, einem Jungen auf seinem Kettcar, Fußgängern mit Kinderwagen – hier sind heute alle Generationen unterwegs. Schnell bin ich an der Eisenbahnbrücke angekommen – und genieße das sanfte Gleiten der Räder über den neuen Asphalt. Vor ein paar Wochen hätte ich jetzt wahrscheinlich riskiert, mir wegen der tiegen Schlaglöcher auf die Zunge zu beißen.
Der frisch sanierte Radweg rechts neben mir ist leer. Heute geht es auf die breitere Straße – für alle. An der ersten Steigung steht ein Rettungswagen – aber die Sanitäter haben momentan nicht viel zu tun, trotz der Sonne, die immer wieder auf die Aktiven herunterscheint. Die beiden Männer betrachten das Spektakel – und sehen, wie ich an ihnen vorbeiziehe. Dann bin ich schon am ersten Versorgungsstand in Höhe des Golfplatzes. Erst mal ein Wasser – was zu essen habe ich mir noch nicht verdient. Am Tisch neben mir verschnaufen Harald und Hella Kaßner aus Bad Münder. Sie sind zu Fuß hier – und freuen sich über den Spaziergang, dort, wo sonst die Autos brausen: „Nur ein paar mehr Stände mit Programm wären nett“, sagen die Kaßners. Ich nicke – und schwinge mich wieder auf den Sattel. Genieße den abschüssigen Teil der Straße vor Bad Münder, den man vom Auto aus kaum bemerkt – bis mir einfällt, dass ich den Weg zurück ja wieder bergauf fahren muss. Am Münder-Ende drehe ich um und trete noch einmal ordentlich in die Pedale. Am Straßenrand stehen viele Grüppchen, plauschen und halten das Gesicht in die Sonne.
Jetzt noch ein paar Meter, dann habe ich es endlich geschafft. Letzter Halt: der Eiswagen...