Bad Münder

Shanty-Brüder pfeifen auf den „X-Factor“

Nienstedt (jhr). Im Trailer heißt es „Das X steht für das Besondere.“ Was das genau gewesen sein soll, ist Klaus Kohrs jetzt klar: besonderer Ärger. „Ich bin so was von sauer“, sagt der Mann, der sich eigentlich mit dem Shantychor „Frische Brise“ in der ersten TV-Ausstrahlung der neuen Casting-Serie „X-Factor“ wiederfinden wollte.

Was Kohrs besonders wurmt: Noch kurz vor der geplanten Ausstrahlung hatte er bei den Show-Verantwortlichen nachgefasst, sich das Okay für die öffentliche Ankündigung des Beitrags mit „Frische-Brise“-Beteiligung geholt. „Ihr steht auf dem Sendeplan“, habe er erfahren. Als Kohrs dann die Sendung verfolgte, traute er – wie seine Shanty-Freunde – seinen Augen kaum. Kein Beitrag, nicht einmal eine Erwähnung des Nienstedter Chores. „Diese Falschmeldung ist mir unheimlich peinlich. So etwas ist mir in meiner ganzen Pressearbeit noch nicht passiert – und ich mache das schon seit 1964“, sagt er und erklärt, was mit den Machern von „X-Factor“ ausgemacht war: Im April hatte der Chor die Einladung des Fernsehsenders VOX zu einem Casting nach Berlin angenommen. Sieben Stunden waren Kohrs und seine Mitsänger im Studio, und sie müssen ihre Sache gut gemacht haben: „Wir waren durch und sollten zur Endrunde eingeladen werden. Bedingung war allerdings die Teilnahme am Boot-Camp“, schildert Kohrs. Da diese Veranstaltung drei Tage dauern sollte, mussten sich die Sänger beraten – immerhin 55 Aktive. „Machen wir“, meldete Kohrs kurze Zeit später seinem Ansprechpartner beim Sender, doch plötzlich sollen lediglich 15 Sänger ins Boot-Camp einziehen. „Zwei Wochen später waren es nur noch acht“, sagt Kohrs. Der Punkt, an dem sich der Chor von einer weiteren Teilnahme am „X-Factor“ verabschiedete. Mit dem Fernseh-Team wurde verabredet, dass während der Sendung ein rund fünfminütiger Beitrag über die Sänger ausgestrahlt wird, die dann in einer „Videobotschaft“ den Zuschauern erläutern, dass sie nicht mit dem gesamten Chor ins Boot-Camp fahren konnten. „Dazu kam extra eine Journalistin aus Essen zu uns auf die ,Pedro Doncker‘ in Flensburg, nahm die Videobotschaft auf und fuhr dann gleich weiter nach Berlin“, berichtet Kohrs. Jeder Sänger habe einen fünfseitigen Vertrag unterschrieben, in dem er unter anderem „Stillschweigen“ zugesichert habe. Kohrs Urteil nach seinen Erfahrungen mit „X-Factor“: „Ein einziges Chaos.“

Artikel vom 04.09.2010 - 00.01 Uhr
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