Bad Münder

Echte Begeisterung sieht anders aus

Elisabeth Blanke unterstützt ihre Tochter im Sonnenstudio – ihre Sommer-Bilanz: „Mehr Kunden“.

Bad Münder (jhr/oe). Gefühlt bereits seit Wochen Fakt, aus Meteorologensicht seit gestern offiziell: Der Sommer 2010 ist Vergangenheit, der Herbst da. Die NDZ hat sich in der Stadt umgehört – für wen hat sich das erst extrem heiße und dann anhaltend wieder nass-kalte Wetter ausgezahlt? Wer ging bei dieser Witterung sprichwörtlich baden? Hier einige Gewinner und Verlierer des vergangenen Sommers.

Die drei Freibäder der Stadt sind mit der Saison keineswegs zufrieden. Im Rohmelbad hat Schwimmmeister Frank Haake die mobile Heizung in Sichtweite aufgestellt – für das typische Bild „Sommer 2010“ fehle nur der Regenschirm. Dabei hatte alles zunächst so gut ausgesehen: In der kühlen Phase im Mai war das Bad wegen Reparaturarbeiten geschlossen, mit der Öffnung kam die Sonne – allerdings so üppig, dass es an manchen Tagen selbst für den Besuch des Bades zu heiß war. Und dann: Regen. Er kam – und blieb: „Ein guter Sommer sieht anders aus“, sagt Haake, Freitag schließt das Bad.

Auch auf dem Bau nahmen die Arbeiter im vergangenen Sommer Höhen und Tiefen mit. „Temperaturen um 35 Grad im Schatten, da wird körperliche Arbeit unendlich anstrengend. Man trinkt und schwitzt es gleich wieder aus“, sagt Polier André Lönnecker. Mit seinen Kollegen baut er derzeit die neue KGS – Gelegenheit zum Unterstellen bei Regen gibt es noch nicht, nur wetterfeste Kleidung: „Wenn der Termin drückt, dann wird gearbeitet. Auch bei Regen“, sagt er. Sein Fazit für den Sommer: „Durchwachsen“.

Im Sonnenstudio „Sun Express“ war in den heißen Wochen im Juli nicht viel los. Jessica Benneckenstein beschwert sich aber nicht, denn die nasskalten Wochen danach haben das Geschäft wieder florieren lassen. Ihr klares Sommer-Urteil: Daumen hoch, denn insgesamt gingen im Sommer mehr Kunden unter die künstliche Sonne als im Vorjahr. „Vor allen Dinge am Wochenende“, wie Blanke ergänzt.

Für Riadh Toumine von der „Getränke Quelle“ teilt sich der Sommer in eine gute und eine schlechte Hälfte: „Die heißen Wochen waren sehr gut für den Umsatz“. Vor allem die Fußball-WM ließ die Quelle sprudeln, im August wurde ein seichtes Plätschern draus – wie der Regen vor der Tür.

Zufrieden ist auch Mario di Tulli vom Eiscafé Dolmen nicht. „Die wichtigen Monate für den Eisverkauf sind Mai und Juni, die waren nicht gut. Dann kam die große Nachfrage im Juli, aber das hat es nicht rausgerissen. Der August war wieder sehr schlecht“, sagt di Tullio.

Als die großen Verlierer des Sommers sehen sich die Getreidebauern. „So ein Jahr habe ich noch nicht erlebt“, erklärt Bezirkslandwirt Rainer Klockemann – und er blickt inzwischen auf 40 Berufsjahre zurück. Erst extreme Hitze und Trockenheit, die gesunden Wachstum verhindern, dann so viel Wasser, dass nicht geerntet und neu ausgesät werden kann. „Fünf Erntetage im August – das ist einfach zu kurz“, sagt er. Die Folge: Der Weizen, Hauptfrucht und wirtschaftlicher Rückhalt vieler Landwirte, steht teilweise noch immer auf den Feldern. „Nur noch für den Futtertrog oder die Biogasanlage“ reiche die Qualität, die Erträge seien um rund 20 Prozent geschrumpft.

Artikel vom 02.09.2010 - 00.34 Uhr
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