Bad Münder
20 Jahre Dietmar Adler: der Pop-PastorPastor Dietmar Adler vor der Petri-Pauli-Kirche. Foto: st
Bad Münder (st). „Unglaublich“ – Pastor Dietmar Adler kann es selbst kaum fassen: Am 2. September 1990 hat der heute 48-jährige seinen Dienst in der Petri-Pauli-Gemeinde in Bad Münder angetreten. 20 Jahre sind seit dem ins Land gezogen, und gestern nach dem Gottesdienst hat die Gemeinde ihrem Hirten bei einem Empfang gratuliert. Schließlich hat Adler damit den Rekord von Pastor Walter Reigber geknackt, der von 1948 bis 1968 in der Gemeinde tätig war.
„Das wusste ich gar nicht“, sagt Adler lakonisch, und man kauft ihm ab, dass ihm das auch wirklich ziemlich egal ist. Auch das Dienstjubiläum sei für ihn keine große Sache, Adler zeigt sich bescheiden. Dabei hat der Pastor Spuren hinterlassen in Bad Münder, nicht nur in der Kirchengemeinde – und er will auch in Zukunft seine Fußabdrücke setzen.
Die Kurstadt hat es dem ehemaligen Landessuperintendenten Hein Spreckelsen zu verdanken, dass Adler überhaupt den Weg ins Deister-Sünteltal gefunden hat. Sein Vikariat absolvierte Adler in Hameln, nach seinem zweiten theologischen Examen suchte er eine Stelle, von der aus „Springe irgendwie erreichbar ist“, sagt Adler. Seine Frau Helgrid Brackelmann-Adler arbeitet in der Nachbarstadt noch heute als Lehrerin am Otto-Hahn-Gymnasium. Also schickte Spreckelsen den angehenden Pastor nach Bad Münder. „Das könnte schon passen“, habe der Landessuperintendent damals gesagt. „Und er hat recht behalten“, sagt Adler heute grinsend.
Er fühle sich in Bad Münder einfach wohl, sagt der Pastor. „Die Chemie zu den Kollegen stimmt – und auch zum Kirchenvorstand. Es ist eine große Freude mit den Menschen zusammenzuarbeiten.“ Doch das Wirken Adlers erstreckte sich immer über die kirchliche Arbeit mit ihren Gottesdiensten, Besuchen, Trauerfeiern, Hochzeiten und Konfirmandenunterricht hinaus. So engagierte er sich von Beginn an für die Integration ausländischer Mitbürger und Kinder mit Migrationshintergrund. „1991 oder 1992 haben wir den Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit ins Leben gerufen“, sagt Adler – nachdem es Anfang der 90er-Jahre in mehreren deutschen Städten zu Übergriffen auf Asylbewerberheime gekommen war – auch in Bad Münder ist sei zu Zwischenfällen mit rechtsextremen Hintergüden gekommen.
Er habe mit seiner Initiative auf zahlreiche Anregungen aus der Bevölkerung reagiert – wie es seitdem zu seiner Art werden sollte. „Es geht nicht darum, meine Vorstellungen umzusetzen, sondern auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort einzugehen“, sagt Adler. Auch sein Engagement in Sachen Film durch den Anstoß durch verschiedene Münderaner entstanden. „Natürlich wussten einige, dass der Film eines meiner großen Hobbies ist, aber ich habe nie damit gerechnet, dass man in der Stadt eine Filmreihe etablieren könnte.“ Doch gemeinsam mit der katholische Pfarrgemeinde, dem Kunst- und Kulturkreis, der Stadtjugendpflege und dem Wilhelm-Gefeller-Kulturverein der IG BCE ist das Projekt gelungen. Die Vorführungen der Film AG sind mittlerweile zu einer Institution geworden.
Und der Film ist nicht das einzige „coole“ Hobby des Pop-Pastors. „Daneben zählen Reisen und Rockmusik zu meinen liebsten Freizeitbeschäftigungen“, erzählt Adler. Einmal sei er gemeinsam mit seinem heute 18-jährigen Sohn – Adler hat auch noch eine 15-jährige Tochter – zu einem Bruce-Springsteen-Konzert nach Holland gefahren. Der Boss spielte am Sonnabendabend. „In der Nacht sind wir zurückgefahren, und am Pfingstsonntagmorgen stand ich doch erstaunlich fit wieder auf der Kanzel.“ Auch die Punk-Rocker von Green-Day hat der Pastor schon live gesehen.
Damit kommt der lockere Geistliche natürlich gut bei den jungen Gemeindegliedern an. Und gerade die liegen Adlers besonders am Herzen. „Ich bin immer wieder richtig gerührt, wenn ich sehe, wie die Jugendlichen das Liturgische Fest vorbereiten und dafür über sich hinauswachsen“, erzählt Adler. Mit dieser außergewöhnlichen Form des Gottesdienstes, die in der Kirchengemeinde alle ein bis zwei Jahre einstudiert wird, sind die jungen Darsteller auch schon auf zwei Kirchentagen zu Gast gewesen. Das seien bewegende Momente gewesen, erinnert sich Adler. Gut ein Dutzend Mal ist der 48-Jährige mittlerweile auch schon mit den Jugendlichen der Gemeinde auf Segelfreizeit am Ijselmeer gewesen.
Zu den Höhepunkten seiner Dienstzeit zählt Adler neben der Abnahme und Wiederaufsetzung des Kirchturmes unter anderem eine Lichterkette gegen Rassismus und Gewalt mit 2000 Teilnehmern in der münderschen Innenstadt, die Gottesdienstreihe „sonntags um 5“ inklusive der Auswahl als landeskirchenweites Qualifizierungsprojekt für neue Gottesdienstformen und die Entstehung der Sozialraum AG. Doch braucht es für Adler gar keine besonderen Ereignisse, um die immer wiederkehrenden Höhepunkte seiner Arbeit zu erleben. „Die Begegnung mit den Menschen ist immer wieder toll.“ Adler sei glücklich darüber, seine gute Botschaft, „Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen“, weitersagen und in den verschiedensten Situationen vermitteln zu dürfen – niemals von oben herab, immer auf Augenhöhe.