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NDZ exklusiv: Interview mit NDW-Star Peter Hubert von UKW

„Die 80er waren eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte“

Ohne Zweifel, die 80er Jahre waren sowohl aus modischer, als auch musikalischer Sicht, ein stilprägendes, schrilles Jahrzehnt. Es war die Zeit der Popper, Yuppies, Punks und HipHopper. Nach dem Motto „Dress For Success“ trugen die Girlies Schulterpolster, Stirnband, neonfarbene Leggings, lange Baumwoll-Shirts und Turnschuhe, während beim männlichen Geschlecht insbesondere die sogenannte „Manta-Matte“ in war.

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Bereits Ende der 70er Jahre brachte man den Begriff „Neue Deutsche Welle“ fälschlicherweise mit Bands wie „DAF“ oder „Fehlfarben“ in Verbindung – so richtig kam die NDW-Lawine jedoch erst 81/82 ins Rollen. Künstler wie Trio, Nena, Peter Schilling, Hubert Kah, Markus, Frl. Menke, Combo Colossale und UKW erreichten mit ihren frech-fröhlichen Mitsing-Songs gigantische Charterfolge und sorgten mir ihrer Gute-Laune-Musik für Hochstimmung in den Tanztempeln. So geriet Frl. Menke mit ihrem „Tretboot in Seenot“, Hubert Kah wollte „Einmal nur mit Erika“, während UKW-Sänger Peter Hubert in Tinas „Sommersprossen“ verschossen war und bis heute noch ist.

In Berlin trafen wir den gebürtigen Düsseldorfer zu einem exklusiven Interview in seiner Berliner Wohnung, sprachen mit ihm unter anderem über den früheren NDW-Hype und seine Zusammenarbeit mit dem überaus erfolgreichen Dance-Projekt „Sash!“. Die ersten musikalischen Gehversuche machte Hubert jedoch in der Formation „Mighty Little & The Earthshakers.

Peter: Das war praktisch ein „Projekt der genialen Dilettanten“ – eine „fast Bigband“, die mehr oder weniger aus Zappa-Fans bestand. Wir haben auch in erster Linie Songs von Frank Zappa in deutscher Sprache gespielt. Unseren ersten Auftritt hatten wir 1977 im Kant-Kino, das vom Pächter Conny Konzack auch als Konzertsaal genutzt wurde – damals einer der angesagtesten Plätze in Berlin. Zeitweise standen wir mit 20 Leuten auf der Bühne – unsere damaligen Freundinnen sind dann während des Gigs als Revue-Mädels aufgetreten. Auf den Plakaten stand großkotzig „Welttournee“, die von Berlin/Spandau über Berlin Charlottenburg ging – das Klappern gehört halt auch zum Handwerk.

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  • In der linken Hand die ZDF-Hitparaden-Siegestrophäe, in der rechten den goldenen BRAVO-Otto, rechts eine goldene Schallplatte des Dance-Projekts „Sash!“ – NDW-Star Peter Hubert hatte in den 80er und 90er Jahren viel Edelmetall zu tragen. Texte und Konzertfotos: Lars Andersen
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Ende 1979 gründete Hubert zusammen mit Andreas Schwarz-Ruszczynski (Gitarre) und Keyboarder Andreas Koch die Band UKW. Namensgeber war Peter Eggers, der zu dieser Zeit Tourmanager bei dem Konzertveranstalter Lippmann und Rau war. Komplettiert wurde die Gruppe 1981 durch Peer Gerlach (Bass) und Schlagzeuger Thomas Schütze. Das Quintett startete durch und gewann den Berliner Senatsrockwettbewerb – der Startschuss für eine überaus erfolgreiche, aber viel zu kurze Karriere, war gegeben.

Peter: Von da an ging alles rasend schnell. Man muss natürlich noch ergänzend hinzufügen, dass damals zehn Gruppen jedes Jahr eine Single-Produktion gewannen – unsere Platte hieß „Bleib doch bei mir“, die sich recht gut verkaufte. Später haben wir sie auch auf unser Debütalbum gepackt. Unser damaliger Verleger, Manfred Schmidt, hatte damals zusammen mit Stefan Waggershausen einen Verlag, klapperte dann mit einigen Demos von uns diverse Plattenfirmen ab. Nach klaren Absagen einiger Unternehmen, darunter auch die Hansa, unterzeichneten wir dann letztendlich einen Platten-Deal mit der TELDEC. Einige Wochen später wurde bereits das Debüt „Ultrakurzwelle“ veröffentlicht. Das war natürlich nur möglich, da schon rund 20 Titel auf Halde lagen.

Die Karriere nahm Fahrt auf – es folgte unter anderem ein Auftritt in der Kult-Show „Music-Box“ mit Désirée Nosbusch, zudem gewann UKW Gold, Silber und Bronze in der „ZDF-Hitparade“.

Peter: Mit „Sommersprossen“ ging es auf Platz 1, „Ich will“ schaffte den zweiten Platz und „Hey Matrosen“ landete auf Platz 3. Später gab es auch noch den goldenen „BRAVO-NDW-Sonder-Otto“ – das war schon heftig, was da alles in so kurzer Zeit auf uns niederprasselte. Dass wir dann noch 1982 im Rahmen von „RockPop In Concert – NDW-Special“ zusammen mit BAP, Ideal, Extrabreit, Hubert Kah, Joachim Witt und der Spider Murphy Gang in der Dortmunder Westfalenhalle abrocken konnten, war einfach unbeschreiblich.

Nach der totalen Musikvermarktung meldete der Markt schon Anfang 1983 erste Übersättigungserscheinungen. Die Verkäufe gingen zurück – viele Bands lösten sich auf, Solokünstler konnten an ihre Erst-Erfolge nicht mehr anknüpfen. Auch die Band UKW gab 1983 ihre Trennung bekannt, obwohl sie eigentlich zu dieser Zeit noch recht erfolgreich war.

Peter: Nachdem Peer Gerlach und auch Thomas Schütze ausgestiegen waren, hatten wir uns entschlossen, getrennte Wege zu gehen. Ob das im Nachhinein richtig war, sei dahingestellt, denn trotz des nicht ganz so erfolgreichen zweiten Longplayers „Alles klar“ waren wir immer noch in Besitz eines Plattenvertrages.

Peter Hubert machte als Solokünstler weiter, veröffentlichte zunächst die Single „Jetzt oder nie“– im Laufe der darauf folgenden Jahre sollten noch mehrere Produktionen folgen – so auch eine interessante Zusammenarbeit mit Big-Brother-Star Jürgen Milski. Mit NDW-Kollegin Frl. Menke sowie Geier Sturzflug und Markus veröffentlichte man 2003 den Song „Geile Zeiten“, der sich im zweiten Drittel der Charts platzierte. Bereits Mitte der Achtziger gründete Hubert zusammen mit seiner Ex-Managerin und Jürgen von der Lippe einen Musikverlag, der unter anderem musikalische Werke von den Wildecker Herzbuben (Herzilein) und eben Jürgen von der Lippe (Guten Morgen, liebe Sorgen) verbreitete. 1990 wurde ein neuer Musikverlag ins Leben gerufen – zusammen mit seinem Geschäftspartner hatte man mit „Sash“ einen sehr erfolgreichen Dance-Act im Verlag. Fast 50 goldene Schallplatten von „Sash!“ zieren heute Wände und Vitrinen in Huberts Arbeitszimmer.

Peter: Das war schon ein sehr erfolgreiches Projekt – allein in England konnten die drei DJs Sascha Lappessen, Ralf Kappmeier und Thomas Lüdke mehrere Hunderttausend Platten von ihrem Debüt „It’s My Life“ verkaufen, verbuchten insgesamt zehn Top-10-Hits in den Charts. In England war ich mit den Jungs nicht, dafür aber mehrmals auf der MIDEM Musikmesse in Cannes. Heute habe ich immer noch mehr oder weniger Kontakt zu den Dreien. Nach eigenen Angaben wird es eine Reunion in der Originalbesetzung von UKW nicht mehr geben. Der Wahl-Berliner tritt aber noch heute als Solokünstler auf zahlreichen NDW-Partys auf und singt mit großem Erfolg seine früheren Hits.

„Es war eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte. Heute ist alles etwas ruhiger geworden – Fans campieren nicht mehr vor meiner Wohnung und auch Sprüche auf offener Straße wie „Guck mal, das ist doch der von UKW“ haben jetzt Seltenheitswert. So hat jede Zeit seine besonderen Situationen“, gab uns Peter Hubert noch mit auf den Weg.

Lang lang ist’s her: UKW mit Frontmann Peter Hubert (2. von rechts).



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