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Wisentgehege-Förderverein spendet eine halbe Million Euro

ALVESRODE. Rührige Fördervereine gibt es viele im Stadtgebiet. So groß und so finanzstark ist aber kein anderer: Die mittlerweile 1500 „Freunde des Wisentgeheges“ haben in den 25 Jahren seit der Vereinsgründung mehr als eine halbe Million Euro in die Verschönerung und Modernisierung des Tierparks investiert.

Den Bau einer Bär-Wolf-Anlage 1998 unterstützte der Förderverein mit umgerechnet 65 000 Euro. Um das Geld zusammenzubekommen, verkauften die Ehrenamtlichen auch 1000 Stofftiere. Eines davon hat Irmgard Hennig (l.) aufgehoben. Rechts Brigitte Kieth.

Es war am 16. Juli 1992, als sieben Männer aus dem Stadtgebiet die Gründungsurkunde für den neuen Förderverein unterzeichneten. Antriebsfeder war der damalige Wisentgehegeleiter Joachim Hennig, der seinen Stammtischfreunden von seiner Idee erzählte. Die Runde, die passenderweise in der damaligen Gaststätte „Zum Wisent“ am Niederntor tagte, war sofort begeistert. „Doch es gab auch Bedenkenträger“, erinnert sich Irmgard Hennig, die Ehefrau des mittlerweile verstorbenen Forstamtmanns: „Das Landwirtschaftsministerium fürchtete fremden Einfluss. Die hatten Sorge, dass über diesen Weg plötzlich exotische Tiere wie Elefanten und Giraffen ins Wisentgehege geholt werden könnten.“ Das Ehepaar Hennig nahm mit zahlreichen Zoos und Tierparks im gesamten Bundesgebiet Kontakt auf, fragte nach, wie die Zusammenarbeit klappt – und konnte schließlich die ministeriellen Ängste zerstreuen.

Irmgard Hennig kann stundenlang Anekdoten aus der Vereinsgeschichte erzählen. Zwölf Jahre saß sie als Schriftführerin am Vorstandstisch, 20 Alben zeugen allein aus dieser Zeit. Sie hat handfeste Erinnerungen aufgehoben, zum Beispiel ein braunes Kuscheltier. Das entdeckten sie und ihr Mann in einer Raststätte bei Bielefeld („Andere fuhren im Urlaub an den See oder in die Berge. Wir reisten von Tierpark zu Tierpark“). In einem großen Glaskasten in dem Café lagen unzählige Kuscheltiere, die man – mit genügend Münzen und Geschick – aus dem Behälter angeln konnte. Irmgard Hennig fiel ein Bär auf. Der sah nicht so typisch kindlich aus. Lachend erzählt sie, wie sie die Mitarbeiter dort überzeugten, ihnen dieses eine Stofftier zu verkaufen. Nach einer längeren Diskussion - und einem tiefen Griff ins Portemonnaie - hatten sie Erfolg. „Wir konnten dann sehen: Der Bär stammte von einer Firma in Amsterdam“, erinnert sich die 77-Jährige. 1000 Stück wurden geordert, in riesigen Paketen geliefert und schließlich für 20 Mark verkauft; an Ständen, die als Vorläufer des späteren Souvenir-Shops dienten. „Wir sind sie reißend losgeworden“, erzählt Irmgard Hennig über das Projekt, mit dem der Bau der Bär-Wolf-Anlage mitfinanziert wurde.

Die Förderer haben im Lauf der Jahre viel Erde bewegt. „Anfangs ging es nur um eine finanzielle Unterstützung“, weiß Vereinssprecherin Brigitte Kieth. Später entwickelten sich daraus auch die Führungen, die bis heute im Programm sind. Und: Die Mitglieder verabredeten sich zu Arbeitseinsätzen. Die hätten dann an Bedeutung gewonnen, als die ABM-Plätze im Gehege wegfielen, sagt Irmgard Hennig. „Es ist bis heute ein Segen, dass es den Verein gibt und die Arbeitseinsätze zu einer festen Einrichtung geworden sind.“

1500 Mitglieder hat der Zusammenschluss. Die „Freunde des Wisentgeheges und der Jagdschau Springe“ – wie es im offiziellen Titel heißt – kommen aus allen Regionen Deutschlands. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Umgebung: Mehr als drei Viertel der Mitglieder wohnen im Altkreis Springe. Der „harte Kern“ besteht aus 40 Personen, die bei Aufräum- und Streichaktionen dabei sind und sich bei den zahlreichen Festen einbringen. Sogar 110 Personen engagieren sich beim jährlichen Hubertusfest – die anderen 1400 Personen sind eher stille Förderer.

Die Anfangsbeträge waren für den Kauf der Skulptur „Umgeschichtete Eiche“ (sie wurde 1995 aufgestellt) bestimmt. Zwei Jahre später ermöglichten die Ehrenamtlichen den Transport der ersten zwei Sorraia-Pferde nach Springe. Umgerechnet 10 000 Euro kostete die Rettungsaktion – die Rasse war schon damals vom Aussterben bedroht. 65 000 Euro flossen in den Bau der Bär-Wolf-Anlage. 9300 Euro gingen an die Freiflugvoliere. Mit mehr als 50 000 Euro unterstützte der Verein in den Jahren 2007 bis 2010 die Eröffnung der Kleinraubtieranlage. Auch die Lautsprecheranlage in der Bär-Wolf-Anlage hätte ohne die 11 000 Euro der Förderer nicht so schnell angeschafft werden können.

Zuletzt überwiesen die Wisentgehege-Freunde mehrfach Großbeträge. 40 000 Euro waren es 2013, als das neue Gehege für die handaufgezogenen Polar- und Timberwölfe gebaut wurde. Mit 30 000 Euro Zuschuss wurde im selben Jahr ein Stall für die Wisent-Jugendgruppe errichtet. Und zuletzt verwirklichten die Unterstützer das Projekt, auf das sie besonders stolz sind, weil sie es komplett allein gestemmt haben: 180 000 Euro zahlten sie, damit die neue Fang- und Fütterungsanlage für die Wisente entstehen konnte. Alle weiteren Förderungen eingerechnet, flossen in den 25 Jahren mehr als 550 000 Euro – den Wert der Arbeitseinsätze und Führungen nicht berücksichtigt.

Wichtig ist Brigitte Kieth und ihren Mitstreitern, dass die Mitglieder auch etwas zurückbekommen. Schon im Gründungsjahr 1992 lud der Vorstand für den zweiten Weihnachtsfeiertag zum Grillen mit Glühwein-Ausschank ein. Im Sommer gab es ein Weinfest. Bis heute werden regelmäßige Lehrfahrten in andere Tierparks angeboten, dazu kommen exklusive Führungen durchs Wisentgehege (zum Beispiel zur Rotwildbrunft). Und: Vereinsmitglieder dürfen den Tierpark das ganze Jahr über kostenlos besuchen – Familien zahlen weniger als für eine reguläre Dauerkarte.mari

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