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Keine Zukunft für Waschbären im Wisentgehege?

ALVESRODE. Noch klettern die Waschbären und Marderhunde durch das Wisentgehege, doch sie sollen die letzten ihrer Art in dem Tierpark sein. Nach einer EU-Verordnung zu invasiven gebietsfremden Arten dürfen sie nicht mehr gezüchtet, gehalten, verkauft und transportiert werden.

Der kleine Waschbär klettert vergnügt durch das Wisentgehege. Wenn es nach der EU-Richtlinie geht, gehört das Bild bald der Vergangenheit an. Foto: Archiv
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Diese Verordnung hätte das Ende der Arten im Wisentgehege und in allen anderen betroffenen Einrichtungen zur Folge – darum schlägt der heimische Tierpark jetzt Alarm und fordert eine Ausnahmeregelung.

Die Neue Deister-Zeitung hat mit Nina Wettern, Sprecherin im Bundesumweltministerium, über die Möglichkeit einer solchen Ausnahmeregel gesprochen. Die Antwort ernüchtert und macht Hoffnung zugleich.

Zum Hintergrund: Das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz erklärt auf seiner Website ganz allgemein: „Waschbären sind zwar niedlich, aber auch eine Plage. Sie räubern Vogelnester aus, nisten in Uhu-Höhlen und fressen Obstbäume leer. Ein so weitverbreitetes Tier wie der Waschbär lässt sich nicht mehr ausrotten. Vorsorge statt aufwendiger Nachsorge ist deshalb auch der Leitsatz im Naturschutz.“ Damit will sich das Wisentgehege nicht zufriedengeben und pocht darauf, dass Tierparks und Zoos gesondert behandelt werden.

Nina Wettern erklärt: „Zoos werden ihren Bestand der in Deutschland als invasive Arten klassifizierten Tiere durch Unterlassen der Nachzucht schrittweise zurückfahren müssen.“ Damit sei jedoch keine Tötungspflicht verbunden. Gleiches gelte für private Tierbesitzer: Die Tiere könnten bis zu ihrem natürlichen Tod dort verbleiben, so Wettern.

Bedeutet: Laut Verordnung darf das Wisentgehege die Tiere zwar bis zu deren Tod behalten, aber nicht mehr nachzüchten. Die Tiere dürfen also keinen Nachwuchs mehr bekommen. Und: Die Mitarbeiter müssen dafür sorgen, dass Waschbären und Marderhunde nicht ausbrechen.

Aber Wettern fügt auch hinzu: „Bezüglich der Nachzucht können gegebenenfalls unter bestimmten Bedingungen Ausnahmeregelungen gelten, um beispielsweise den weltweiten Arterhalt zu unterstützen.“

Wie diese Ausnahmeregelung genau aussehen soll – wenn es denn eine solche geben wird – steht noch nicht fest. Eine Empfehlung für Zoos und damit eine Abweichung von den europäischen Regelungen sei schließlich mit ihrer Aussage nicht verbunden, betont die Sprecherin des Bundesumweltministeriums.

Kein Wunder, dass das Wisentgehege auf seiner Website für eine von der Zootierrettung EU initiierte Petition wirbt, mit der verhindert werden soll, dass die EU den Tierparks die Haltung der invasiven Arten verbietet. Melina Hennig, Mitarbeiterin und Tochter des Wisentgehege-Leiters Thomas Hennig, erklärte bereits vergangene Woche: „Wir können im Augenblick nichts sagen. Wir wissen nicht, wie es mit unseren betroffenen Tieren weitergeht, hoffen aber auf die Ausnahmeregelung.“

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