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Immunsystem der deutschen Wildrinder leidet / Springer Tierpark sammelt DNA-Proben

Hennig schlägt Alarm: Inzucht schwächt Wisente

Alvesrode (mari). Wolfsbabys und Waschbären gehen immer. Sogar die Greifvögel bringen die Besucher dazu, dass sie minutenlang wie erstarrt in den Himmel blicken. Aber die Wisente? Ausgerechnet den Namensgeber des Springer Tierparks würdigen die meisten Besucher nur eines flüchtigen Blickes. Schade eigentlich.

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Auf einem rund 300 Morgen großen Waldgrundstück der Försterei „Eispfad“ sind die letzten europäischen Wisente ab 1928 gepflegt und katalogisiert worden. Thomas Hennig, Leiter des Wisentgeheges, liegen die europäischen Bisons bis heute besonders am Herzen. Für gestern hatte er deshalb alle Wisent-Halter aus Norddeutschland zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

Sein Anliegen: Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen DNA-Proben aller Wildrinder gesammelt und untersucht werden. Anderenfalls werde die Inzucht die Herden weiter schwächen. Schon jetzt erkranken die 500 Kilo schweren Riesen überdurchschnittlich häufig, zum Beispiel an der Blauzungenkrankheit.

Die Wisente sollten zuletzt über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm – das es für knapp 200 Tierarten gibt – geschützt werden. Das Programm habe jedoch nicht funktioniert, sagt Hennig. Vor allem für kleine Betriebe seien die Auflagen zu hoch und die Kosten unüberschaubar gewesen. Zusammen mit Mitstreitern hat er sich deshalb vor zwei Jahren für die Gründung des „European Bison Conservatio-Center“ (EBCC) stark gemacht.

Im Wisentgehege ist eines der vier deutschen Regionalbüros untergebracht. Hennig ist für Norddeutschland zuständig. Elf Zoos und Betriebe gehören zum Gebiet. Ihre Vertreter trafen sich gestern zum ersten Mal. Vor Ort griff Hennig unter anderem zu einem speziellen Narkosegewehr und zeigte, wie die Gewebeproben entnommen werden. Ein großer Vorteil: Hinter dem Projekt stehen namhafte Spender, die Erfassung und Untersuchung des DNA-Materials ist deshalb für die Tierhalter kostenlos.

Das Programm ist so wichtig, weil es beim Zuchtbeginn vor 85 Jahren nur noch zwölf Wisente gab. Die paarten sich bislang eher zufällig. Mehr als 90 Prozent aller Bullen gehen auf einen Vater zurück (was sich in einem besonderen Y-Chromosom äußert). Eine Zuchtlinie ist bereits verschwunden, die dritte kurz vor dem Aussterben. „Und das ist nur ein Minibeispiel. Bei der Entschlüsselung des Wisent-Genoms gibt es mehr als 55 000 Marker“, sagt Hennig. „Die Inzucht ist ein riesengroßes Problem.“

So sehr er auch die öffentlichkeitswirksamen Waschbären, Wölfe und Greifvögel mag. Der Artenschutz – der Grundgedanke des Wisentgeheges – bleibt Hennigs liebstes Kind.

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