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Haltungsverbot: Wisentgehege kämpft für seine Waschbären

ALVESRODE. Das Wisentgehege Springe bangt um seine Marder und Waschbären. Grund ist eine EU-Regelung, die sich mit invasiven gebietsfremden Arten befasst. Konkret geht es um die Verordnung Nummer 1143/2014: eine Liste mit insgesamt 37 Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung in Europa andere Arten gefährden.

Marderhunde und Waschbären sollen laut EU-Verordnung nicht mehr gehalten, verkauft, gezüchtet oder importiert werden – auch nicht in Tierparks und Zoos. Fotos: Archiv
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Konkret geht es um eine Liste mit insgesamt 37 Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung in Europa andere Arten gefährden und darum nicht mehr gehalten, verkauft oder importiert werden dürfen. Die invasiven Arten sollen praktisch ausgerottet werden. Das Problem: Die Regelung gilt auch für europäische Zoos und Tierparks.

Betroffen ist daher auch das Wisentgehege – dort leben in den Anlagen neben Waschbären und Marderhunden weitere invasive Arten wie der Nasenbär, das Muntjak oder die Biberratte.

Weil die Verordnung das Ende der Arten im Wisentgehege und in allen anderen betroffenen Einrichtungen zur Folge hätte, will man sich auch in Springe für eine Ausnahmeregelung stark machen. Daher wirbt das Wisentgehege auf seiner Website nun für eine Petition des Deutschen Wildgehege-Verbandes.

„Wir fordern die Europäische Kommission in Deutschland nachdrücklich auf, die EU-Verordnung 1143/2014 zu überarbeiten und eine Ausnahmegenehmigung für die Haltung invasiver Tierarten in europäischen Zoos und Tierparks zu erteilen“, heißt es dort. Und weiter: „Helft mit, dass Muntjaks, Nasenbären, Waschbären und Co. innerhalb der Zoos und Tierparks weiterleben und gezüchtet werden dürfen.“

Benötigt werden 10 000 Unterschriften, um die Petition erfolgreich abschließen zu können. Heißt: Bei 10 000 Unterstützern muss sie von der EU zumindest zur Kenntnis genommen werden.

Aktuell macht sich im Wisentgehege allerdings Hoffnung breit, dass eine solche Petition gar nicht mehr gebraucht wird. „Noch unbestätigten Informationen zur Folge soll im Bundesumweltministerium bereits an einer Ausnahmeregel für Tierparks gefeilt werden“, sagt Mitarbeiterin Melina Hennig, Tochter des Wisentgehege-Leiters Thomas Hennig auf Nachfrage der Neuen Deister-Zeitung.

Und die Hoffnung scheint berechtigt: Renate Sommer, Mitglied des EU-Parlaments, war laut Berichten der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in der vergangenen Woche im Bochumer Tierpark zu Gast. „Der europäische Gesetzgeber hat den EU-Mitgliedstaaten bei der Verordnung die Möglichkeit eingeräumt, Ausnahmegenehmigungen für Zoos zu erteilen“, wird sie in der Zeitung zitiert.

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