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Groß-Transport im Wisentgehege: 25 Wisente für Rumänien

ALVESRODE. Gerade erst sind sechs Wisente von Springe nach Russland gebracht worden, schon steht für Tierpark-Leiter Thomas Hennig der nächste Groß-Transport an:

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Die Europäische Union fördert ein Auswilderungsprojekt für Wisente in den rumänischen Karpaten. 25 Tiere sollen in diesem Frühjahr in die Freiheit entlassen werden – die Fäden dafür laufen in Springe zusammen.

„Es wird schwer, 25 Wisente zusammenzubekommen“, weiß Hennig, der sowohl den Transport als auch die Vorbereitungen koordiniert. Die Zahl werde vermutlich gedrückt werden müssen. Für das Projekt kommen nur Wisente infrage, die zur Flachland-Kaukasus-Linie gehören und mindestens zwei Jahre alt sind. Außerdem werden mehr Kühe als Bullen benötigt – das Verhältnis liegt im Idealfall bei vier zu eins. Diese Vorgaben schränken die Möglichkeiten, die die deutschen Tierparks, Zoos und Privathalter bieten, enorm ein.

„Ich habe alles alarmiert, was man alarmieren kann“, sagt Hennig. „Der bisherige Rücklauf ist aber leider lahm. Sehr lahm.“ Um Zeit zu gewinnen, hat er begonnen, das Zuchtbuch des kompletten Wisent-Jahrgangs 2016 durchzusehen, die Halter anzurufen und fürs Projekt zu werben.

In den vergangenen drei Jahren hat das Wisentgehege bereits zwölf Tiere nach Rumänien gegeben. Sie sind in den riesigen Karpaten ausgewildert worden. Die EU hat zugesagt, die Wiederansiedlung noch weitere drei Jahre zu fördern – in jedem Jahr sollen 25 Tiere dazukommen. Ein ambitioniertes Ziel, findet Hennig: „Die können nicht alle von uns kommen. Und auch nicht alle über uns.“ „Uns“ steht dabei für das Springer Wisentgehege, dem deutschen Regionalbüro des „European Bison Conservation Centers“.

Immerhin: Eine fünfköpfige Wisent-Herde, die nach Rumänien umziehen wird, ist bereits sicher. Sie steht in Berlin. „Die berechnen keine Kosten und fahren die Tiere sogar selbst; aus Liebe zum Artenschutz“, so Hennig.

Von einer Privatperson aus Göttingen hat er die Zusage, ein sechs Hektar großes Gatter nutzen zu können. Auf der Fläche könnten sich die Tiere über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten kennenlernen. Denn auch der Platz für eine so große Gruppe, die man am Tag x für den Transport zusammentreiben können muss, ist im Saupark nicht vorhanden.

Für die exzellente Arbeit der Springer Wisentschützer haben sich gerade erst russische Wissenschaftler bedankt. Hennig hatte sich mehrere Monate engagiert, um sechs Wisente nach Tula zu bringen. Kein leichtes Unterfangen: Hennig war nach einer 14-jährigen Sperre der Erste, der die strengen Auflagen für einen Rinderimport aus der EU nach Russland erfüllen konnte.

Die Tiere standen zweieinhalb Monate in Springe in Quarantäne. Sie helfen jetzt, das Genmaterial der russischen Herden aufzufrischen, die alle auf nur noch einen Gründervater zurückgehen und dementsprechend krankheitsanfällig sind. Auch das Projekt hatte Hennig deshalb als Riesen-Chance bezeichnet, für das sich jeder Aufwand lohne.

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