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Die Liebesdiät im Wisentgehege

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VON ERMANA NURKOVIC

SPRINGE. Bis zu 50 Kilo runter, eine erhöhte Verletzungsgefahr – und dann auch noch ständig röhren: Das klingt anstrengend – und für die Rotwildhirsche ist es das auch. Was während der Brunftzeit passiert, das erklärt das Wisentgehege momentan in einer Reihe Führungen. Die NDZ war dabei.

Das Verhältnis stimmt schon mal hinten und vorne nicht, zumindest auf dem Papier: Derzeit befinden sich sieben männliche und rund 35 weibliche Rotwild-Tiere im Gehege. Sie sind Rudeltiere und leben über das Jahr hinweg nach Geschlechtern getrennt. In jedem Rudel besteht eine interne Rangordnung. Die Position des Platzhirsches wird durch den bis zur Paarungszeit stärksten Hirsch eingenommen. „Vergangenen Montag konnten wir einen richtigen Hirschkampf zwischen dem Platzhirsch und einem seiner Nebenbuhler beobachten“, berichtet Hennig: „Das ist ein reines Kräftemessen, das nicht das Verletzen oder Töten des Kontrahenten zum Ziel hat.“

Trotzdem können durch das Verhaken der Geweihe Verletzungen eintreten. Der Platzhirsch stellt während der Brunft die Nahrungsaufnahme ein und verliert dabei 30 bis 50 Kilogramm an Gewicht. Hennig sagt: „Dann stellt sich natürlich die Frage, ob dieses Tier den Winter überlebt.“

Die Rollenverteilung während der Brunft ist klar verteilt: Für die Feind- und Platzverteidigung sind die weiblichen Tiere des Rudels verantwortlich. Die Hauptaufgabe des Platzhirsches liegt darin, die Gruppe der weiblichen Tiere zusammenzuhalten. Das kann zum Beispiel durch das charakteristische Röhren geschehen, das unterschiedliche Funktionen aufweist.

„Grundsätzlich dient das Röhren zur akustischen Abgrenzung gegenüber anderen Hirschen“, erklärt Gehege-Chef Hennig. Doch Röhren ist nicht gleich Röhren: „Das Abschrecken von Nebenbuhlern und das Zusammentreiben des Rudels – das klingt jeweils anders.“

Der Hirsch prüfe meistens etwa durch das Anlecken der weiblichen Tiere, ob diese paarungsbereit sind. Daraufhin signalisieren die Weibchen durch ihre Körpersprache, ob die Paarung erwünscht ist. „Die Paarung selbst ist nur ein Sprung, der wenige Sekunden dauert“, erklärt Hennig.

Wer mit dem Leiter des Wisentgeheges unterwegs ist, erfährt indes nicht nur die Geheimnisse der Brunftzeit – sondern auch die des Wappentieres von Springes Wildpark: Der Leiter berichtet, dass im Laufe der Jahre schon 300 Wisente im Wisentgehege geboren wurden. Nach einer gewissen Zeit werden einige der Tiere an europäische Partner-Zuchtprojekte – beispielsweise in Rumänien – abgegeben. Dieser Schritt dient auch der Artenvielfalt und dem Erhalt der Rassen.

Eine Besonderheit ist im Gehege der Wisente zwischen Springe und Alvesrode allemal zu beobachten: Denn hier ist auch die älteste in Deutschland lebende Wisentkuh zuhause – sie bringt es auf ein stolzes Alter von 26 Jahren.

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