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Damwild im Wisentgehege erstmals ohne Nachwuchs

ALVESRODE. Schlüpfrige Bemerkungen verbieten sich. Das Thema ist ernst, sehr ernst. Wenn es bei dem Mesopotamischen Damwild nicht mehr läuft, betrifft das schließlich eine stark bedrohte Tierart. Und wie man den Hirschen und Kühen wieder auf die Sprünge helfen kann, ist nicht erforscht.

Hat er ein Problem mit seiner Männlichkeit? Diesem Meso-Hirsch und seinen sieben Kollegen aus dem Wisentgehege ist es erstmals nicht gelungen, sich fortzupflanzen. Dabei ist die Tierart außerordentlich selten, und die Zuchterfolge im Springer Gehege

Das „Meso“-Rudel im Wisentgehege war bislang fleißig. Durchschnittlich drei Kälber kamen jedes Jahr zur Welt. Diese Jungtiere verstärkten später die Herden in anderen deutschen Tierparks sowie in Zoos in Tschechien und Polen. Doch in diesem Jahr ist die Kinderstube leer geblieben. „Wir haben keine Ahnung warum“, steht Gehegeleiter Thomas Hennig ratlos da. „Die Zeit, in der es hätte passieren müssen, ist längst rum.“

Dabei war die Bereitschaft bei den sieben Kühen und acht Hirschen durchaus da. „Die Brunft hat ganz normal stattgefunden“, erinnert sich Hennig an den Spätsommer und Herbst vergangenen Jahres. Im Hinterkopf hat er ein „generelles Problem“: Da der gesamte Meso-Bestand lediglich auf eine Handvoll Tiere zurückgeht, sind bei der Art sowohl die Unfruchtbarkeit als auch die Jungendsterblichkeit sehr hoch. In etlichen anderen Tierparks funktioniert die Fortpflanzung schon seit Jahren nicht mehr. „Aber wir kannten das Problem bislang zum Glück nicht“, sagt Hennig.

Ende des 19. Jahrhunderts galt das Mesopotamische Damwild – das sogar in der Bibel erwähnt wird - als ausgestorben. Im gesamten ursprünglichen Verbreitungsgebiet – dem Irak, Israel, Jordanien, dem Libanon, Palästina, Syrien und der Türkei – war die Population ausgelöscht. 1955 wurden im Südwest-Iran zwei kleine Herden entdeckt. Drei Tiere davon wurden nach Deutschland gebracht.

Das internationale Zuchtbuch wird mittlerweile im Opel-Zoo in Kronberg (Hessen) geführt, von dort aus wird auch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm koordiniert.

Die Mesos waren die letzte Tierart, die der mittlerweile verstorbene Wisentgehege-Leiter Joachim Hennig nach Springe holte. Das war im Jahr 2002. „Ihm war wichtig, dass wir uns an der Erhaltung beteiligen“, erklärt Thomas Hennig. Bis heute teilen sich die Mesos die große Freifläche hinter der Köhlerhütte mit dem Rotwild. Der wesentliche Unterschied der Mesos zu den europäischen Damhirschen ist die Geweihform:

Der Meso bildet kein Schaufelgeweih. Und während der europäische Damhirsch in allen Farbvarianten von Weiß bis Schwarz vorkommt, gibt es beim Meso ausschließlich die braune Färbung mit weißen Flecken.

Bis heute gehört das Mesopotamische Damwild zu den am wenigsten bekannten und seltensten Tieren seiner Größenordnung. Und auch wenn sich der Bestand leicht erholt hat: Weltweit leben nur noch etwa 1000 Hirsche und Kühe. Hennig hofft, dass das kinderlose Jahr eine Ausnahme bleibt und schlichtweg Zufall ist. „Da es bei uns sonst immer geklappt hat, glaube ich nicht an eine Inzucht-Erscheinung“, sagt er.

„Das kann ich mir einfach nicht vorstellen.“ Gewissheit wird er allerdings erst im Mai oder Juni nächsten Jahres haben.

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