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Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrum: Schulbank der Gewerkschaft

BAD MÜNDER. Es liegt versteckt am Deister, zwischen Bäumen und Hügeln. Von vorne ist nur der Eingang der Einrichtung sichtbar – ein Arm des Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrums. Mit 120 Betten und 4000 Gästen pro Jahr ist es das größte der drei Bildungszentren der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie und Energie.

Platz für Bildung am Deister: Sabine Süpke ist seit 2011 Leiterin des Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrums.
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

In Bad Münder ist das Bildungszentrum, das nach einem Gründervater der Gewerkschaft benannt wurde, vor allem wegen seiner Kulturveranstaltungen bekannt. Das „Willis“, die eigene Kneipe, ist immer wieder Treffpunkt für Kleinkunst und Musik, die Seminarräume Orte für Dialoge und Debatten.

Zu 85 Prozent sind die Räume mit eigenen Veranstaltungen ausgelastet, schätzt Leiterin Sabine Süpke. Dann sind Süpke und ihr Team auch tonangebend bei den Inhalten, die neben gewerkschaftlichen Themen von Kunst über Gesundheit bis zu politischer Bildung reichen. Die meisten Seminare und Konferenzen gehen über mehrere Tage. „Ein Tag bei uns lohnt sich im Grunde nicht.“ Die restlichen 15 Prozent werden von anderen Dozenten organisiert.

„Spezialisiert haben wir uns auf das Thema Gesundheit“, stellt Süpke heraus, die mit den Bildungszentren in Kagel-Möllenhorst bei Berlin und Haltern am See im Ruhrpott sowie zahlreichen anderen Fortbildungsanbietern um Gäste buhlt. Fitness, Gesundheit am Arbeitsplatz, Work-Life-Balance – die Themenfelder hat Süpke bewusst in Bad Münder angesiedelt. Mit den Kliniken, dem Kurpark und den vielen Angeboten drumherum sei der Ort geradezu prädestiniert dafür, erklärt Süpke. Die Angebote für die Seminarteilnehmer werden mit Dozenten aus Bad Münder und Springe realisiert – von der Heilpraktikerin bis zur Masseurin. „Dieser Ort ist sich seiner Schätze manchmal nicht bewusst“, sagt die Gewerkschafterin. Allein die Landschaft sei toll, höre sie oft von den Gästen, die aus Deutschland und Europa, teilweise sogar aus der ganzen Welt anreisen. „Der eine oder andere hat sich im Wald schon mal verlaufen“, bemerkt Süpke mit einem Schmunzeln, „im Wald fehlen Schilder“.

Klare Kante gegen Schweinemast-Pläne


Schwerer als die Schilder im Wald wiegen aus Süpkes Sicht allerdings die Debatten um den geplanten Schweinemastbetrieb in der Nachbarschaft. Auch das Bildungszentrum schloss sich der Kritik an, positionierte sich gemeinsam mit den Kliniken und den anderen Einrichtungen am Deisterhang gegen die Anlage. Betreiber, Mitarbeiter und Gäste fürchteten damals wie heute gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Überhaupt, der Deisterhang: Als vor einem Jahr der Bürgerbus anrollte, nahm Süpke das mit Freude zur Kenntnis. „Der hilft dem ganzen Deisterhang“, lobt sie die ehrenamtlichen Fahrer. Sei es die fehlende Zahnbürste oder der Kaffee am Nachmittag – jeder Besucher könne mit dem Bus schnell in die Innenstadt gelangen und würde so auch ein paar Euro mehr ausgeben. Ideal ist die Situation allerdings nicht: Wenn sonntags rund 100 Seminarteilnehmer am Bahnhof auf ein Taxi warten, fährt der Bürgerbus nicht. „Und wenn wir bei den Seminaren Mittagspause machen, sind die Geschäfte geschlossen“, erläutert Süpke.

Politisch spielt das Bildungszentrum auch eine Rolle – die Bande zwischen Sozialdemokraten, Gewerkschaftern und Vereinen im Ort sind vor allem am 1. Mai sichtbar, wenn IG-BCE-Ortsgruppenvorstand Hans-Georg Diekmann sich mit anderen Sozialdemokraten am Rednerpult abwechselt, Erbsensuppe vom Küchenpersonal des Bildungszentrums ausgegeben wird und über Themen wie Rente und Flüchtlinge geredet wird. Da ist das Bildungszentrum auch praktisch dabei: In dem hauseigenen Schwimmbecken finden seit vergangenem Jahr Schwimmkurse für Flüchtlingskinder und -frauen statt.

Bildung am Berg

Das Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrum wurde 1961 am Deisterhang erbaut, seinen Namen erhielt es vom gleichnamigen Gewerkschafter, der 1945 die IG Chemie-Papier-Keramik gründete, ein Vorläufer der IG BCE. Nach mehreren Erweiterungen bietet der Komplex heute Platz für 120 Gäste, pro Jahr nutzen rund 4000 Gäste das Bildungsangebot. Leiterin ist seit 2011 Sabine Süpke.

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