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Entspannung und Rundumverpflegung im Lutherheim

SPRINGE. Ob es die kleinen Schokoladenstückchen auf der Bettdecke sind oder die frischen Blumen auf der Fensterbank, die mit bunten Teelichtern dekoriert sind: Die Liebe zum Detail wird im Lutherheim sofort sichtbar.

1945 wurde das Lutherheim dem ausgebombten Friederikenstift zu Krankenhauszwecken überlassen. Jetzt finden dort zahlreiche Seminare und Konferenzen statt. FOTO: MISCHER
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Saskia Helmbrecht Volontärin zur Autorenseite

Besucher sollen sich hier wie zu Hause fühlen. Das ist das Ziel von Geschäftsführerin Elke Schröder. Seit zehn Jahren ist die Tagungsstätte im Familienbesitz. „Nicht nur die Natur drumherum, sondern das Haus selbst strahlt Ruhe aus, das nehmen unsere Besucher besonders wahr“, sagt Schröder.

In dem christlich geführten Tagungshaus finden vor allem Seminare oder Konferenzen statt. Im Mittelpunkt stehen aber meist kirchliche Weiterbildungen im Verwaltungsbereich. Eigene Seminare werden nicht angeboten. Zu Gast waren schon Studierende der Uni Hannover, die Celler Schule, Polizisten oder Verwaltungsmitarbeiter. „Jede Gruppe für sich ist einzigartig und spektakulär. Wir investieren in jeden Gast die gleiche Intensität.“ Die Besucher, die aus ganz Deutschland kommen, verbringen meist zwei Nächte in Springe.

Dass das Lutherheim am Waldrand etwas abseits gelegen ist, sei ganz sicher kein Problem, betont Schröder. Ganz im Gegenteil: Die Besucher schätzen die Ruhe. Und tatsächlich kommt schnell Urlaubsstimmung auf bei einem riesigen 31 000 Quadratmeter großen Außengelände mit Sonnenliegen und Verpflegung all-inclusive. Essen bekommen die Besucher aus der hauseigenen Küche. Zehn Mitarbeiter sorgen für die Verpflegung und übernehmen die Reinigung des Hauses. „Wir stecken all unsere Kräfte in die Einrichtung. Um den Garten kümmern wir uns auch selbst.“ Auch ihr Mann Karsten ist miteingebunden, ihr Sohn hilft mit, wenn es sein Studium zulässt. Und dann gibt es noch die „gute Seele des Hauses, Jutta Engelbrecht“, die seit über 40 Jahren im Betrieb arbeitet, sagt Schröder.

Es ist die Herzenswärme, die in jedem Raum steckt und die familiäre Atmosphäre unterstreicht: „Ich kann mir auch kein besseres Team wünschen, ich habe die besten Mitarbeiter, die es gibt und auch noch in allen Bereichen einsetzbar sind“, lobt Schröder. Das Team erzählt sich untereinander von ihren Sorgen und hilft sich gegenseitig – eben wie eine große Familie. „Und genau aus diesem Grund ist die jetzige Größe des Hauses genau richtig, damit wir in unserem Familienbetrieb jeden Gast wahrnehmen können.“

Meist bleiben die Gäste im Lutherheim unter sich, essen gemütlich im Speisesaal oder sitzen abends in der „Lutherklause“, der hauseigenen Kneipe. „Sie haben hier alles, was sie brauchen und gehen eher selten in den Ort.“ Bewusst suchen sie abends die Entspannung im Haus, um sich am nächsten Tag wieder voll auf das Seminar zu konzentrieren, und um Abstand von der Hektik im Alltag zu gewinnen. „Anders als in Hannover haben die Besucher hier keine Ablenkung.“

Was viele Gäste aber schade fänden, sei, dass die Geschäfte während der Mittagszeit schließen. „In dieser Zeit haben unsere Besucher ja gerade Pause und wollen gerne einkaufen gehen oder ihren Lieben zu Hause ein ausgefallenes Andenken mitbringen, schöne kleine Läden haben wir dafür in Springe.“ Aus diesem Grund hofft Schröder auch, dass das große Innenstadt-Millionenprojekt von Investor Peter Othmer in die Tat umgesetzt wird. „Klar wäre das auch attraktiv für unsere Gäste und es wäre noch toller, wenn die Geschäfte dann auch mittags geöffnet hätten.“ Sonst gäbe es aber nichts zu Meckern, sagt Schröder: „Alles läuft hier reibungslos. Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit der Stadt.“

Konkurrenzdenken? Fehlanzeige! So arbeitet das Lutherheim auch mit der Heimvolkshochschule (HVHS) zusammen, wenn die Einrichtung zusätzliche Betten für ihre Gäste benötigt oder umgekehrt.

Für Schröder war es eine Herzensangelegenheit, die Einrichtung vor zehn Jahren zu übernehmen. 2005 beschloss die Landessynode umfangreiche Sparmaßnahmen, im Zuge dessen hatte die Landeskirche beschlossen, das Lutherheim, seit 1941 in ihrem Besitz, an die damalige Leiterin Schröder abzugeben. Das Haus wurde 1899 vom Springer Malermeister Fargel als Ausflugslokal Müllers Ruh errichtet und kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs vom Landesführer der Evangelischen Jungmädchenvereine, Pastor Prelle, gekauft. „Es entstand ein Heim, teils im Sinne einer Volkshochschule, teils als Erholungsheim“, erinnert sich Mareike Rake, Bibliotheksdirektorin vom Landeskirchlichen Archiv.

1918 konnten die ersten Gäste aufgenommen werden, ausschließlich Arbeiterinnen aus der Rüstungsindustrie. Am 23. September 1918 wurde das Heim dann eingeweiht.

Bald wurden die Räume für den großen Bedarf jedoch zu klein, außerdem waren die Gebäude stark baufällig. Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage konnte 1930 das Haupthaus umfangreich erweitert werden. Ab 1943 wurde das Lutherheim schließlich als Wehrmachtslazarett in Anspruch genommen. 1964 und auch 1999 sanierte die Landeskirche das Lutherheim umfangreich.

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