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Die Klimaretter: Das Energie- und Umweltzentrum

ELDAGSEN. Manche haben sie vielleicht am Anfang belächelt. 1981 war das, als das Energie- und Umweltzentrum (Euz) in den Startlöchern und Klimaschutz kein Thema war. Zumindest keins, das von einer breiten Öffentlichkeit diskutiert wurde. Heute reden alle darüber, und ziemlich viele machen das am Waldrand bei Eldagsen.

Wilfried Walther vor dem Haupthaus, in dessen Inneren übers ganze Jahr zahlreiche Tagungen stattfinden. FOTO: MISCHER
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Entstanden ist das Umweltzentrum in den Räumen des ehemaligen Landschulheims der Bismarck-Schule. Die hatte das Gebäude mit der Auflage an die Umwelt-Aktivisten verkauft, dass einige Jahrgänge der Schule die Einrichtung als Lernort nutzen dürfen. „Die Gründer haben damals einen Ort gesucht, wo sie dauerhaft zeigen konnten, dass es auch anders geht“, sagt Wilfried Walther, Vorsitzender des Energie- und Umweltzentrums.

Mit ihrem Ansinnen hatten sie Erfolg – es geht anders: Zuerst wurde der Altbau des Schullandheims saniert, dann entstand ein Niedrigenergiehaus auf dem Gelände, schließlich wurde ein Passivhaus gebaut. „ „Wir erzeugen selbst Energie, beteiligen uns an Windkraftprojekten, sind sparsam im Verbrauch und somit in der Bilanz, klimaneutral“, sagt Walther.

Die Gebäude am Waldrand ziehen Gäste aus der Region, Niedersachsen, Deutschland und ganz Europa nach Eldagsen: Tagungen, Seminare und Fachmeetings rund um die Themen Bauen, Sanieren und Energiealternativen machen das Umweltzentrum in Fachkreisen zu einem Mekka des Wissens. Unter anderem richtet das Euz das Buildair-Symposium aus, eine Fachtagung zum Thema Lüftung, Thermografie und Luftdichtheit der Gebäudehülle: „Da sind wir international bekannt.“ Teilnehmer sind Gäste etwa aus Polen, Frankreich, Tschechien, Norwegen und Irland. „Die Tagungen sind bekannt und es werden immer ein wenig mehr Teilnehmer, wir sind also gut aufgestellt“, sagt der sachverständige für Bauphysik. Der Name Springe am Deister sei in der Szene auf jeden Fall bekannt, sagt Walther. Rund 500 Seminarteilnehmer kommen pro Jahr an den Deisterrand. Unter anderem können sie im Euz auch eine vom Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen zertifizierte Schulung absolvieren.

Zuweilen fehlen den Umweltexperten sogar die Unterbringungsmöglichkeiten für die Seminaristen. In dem Fall wird auf die Hotels und Gaststätten in der gesamten Stadt ausgewichen. In der Kantine des Euz können bis zu 120 Personen verpflegt werden – mit fleischloser Vollwertküche. „Manche Besucher finden das dogmatisch – und weichen auf die heimische Gastronomie aus“, weiß Walther. Er toleriert das, findet aber, dass „Energiewende auch bedeutet, zu überlegen, wo wir unsere Nahrung herbekommen“. Die sollte möglichst regional sein, was sie im Euz natürlich ist.

Regional fest verankert sind auch die Feste und Feiern für Springer im Euz. Da ist zum einen das Bärlauchfest. Aber auch das Sommerfest wird von vielen Bürgern gern besucht. „Es ist sehr angenehm, dort den Kontakt zu den Springern zu pflegen und über unsere Ideen zu diskutieren“, sagt der Euz-Chef. Auch am Klimaschutztag in der Innenstadt beteiligt sich das Euz.

All das ist aber nicht automatisch zu haben. „Wir sind eine Organisation, die nicht automatisch institutionell gefördert wird“, stellt Walther klar. Lediglich einzelne Projekte des Euz werden unterstützt. „Wir müssen immer sehen, dass sie Unterstützer finden.“

Der laufende Betrieb des Zentrums – Renovierungen, Pflege des 18 000 Quadratmeter großen Geländes – wird finanziert durch Übernachtungen im Tagungshaus und Seminarbetrieb. Nebenbei entwickeln die Mitarbeiter des Euz immer wieder neue Ideen für Energiesparen und Klimaschutz. „„Wir sind davon überzeugt, dass die Energiewende gelingen wird, wenn alle Akteure es wirklich wollen“, sagt der Energiespar-Experte. Wir sind gerade voll dabei, die Energiewende voranzubringen“, sagt der Energiespar-Experte. All das funktioniere gut, „bereits seit 35 Jahren“, „in ruhiger, entspannter Lage“, sagt Walther rückblickend. Belächelt jedenfalls wird das Umweltzentrum heute von niemandem mehr.

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