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Deutsche Klinik Bad Münder: Wo Paare zu Eltern werden

BAD MÜNDER. Nicht nur architektonisch ist die Einrichtung eine Klasse für sich. Im 1990 entstandenen Neubau am – oder fast im – Kurpark von Bad Münder verhelfen ein knappes Dutzend Mediziner und 120 Mitarbeiter kinderlosen Paaren zum Elternglück. Vor 30 Jahren wurde die „Deutsche Klinik“ gegründet.

Auch Architektonisch ein Hingucker: Der Eingangsbereich der Deutschen Klinik in Bad Münder. Foto: Rathmann

Autor

Christoph Huppert Reporter

Gründerväter waren die Ärzte Gehring, Kast, Stibbe und Bispink. Die seit 2007 zu Amedes Experts gehörende „Kinderwunschklinik“ hat sich inzwischen zu einer der größten von derzeit bundesweit 120 vergleichbaren Einrichtungen entwickelt.

„Wir bieten Dienstleistungen auf universitärem Niveau an, und wir unterhalten beispielsweise am Standort Bad Münder das größte zytologische Labor in Deutschland“, sagt Dr. Arvind Chandra. Der 53-jährige Reproduktionsmedizner arbeitet seit 1999 in der „Kinderwunschklinik“.

Rund 1300 künstliche Befruchtungen nehmen die Ärzte jährlich vor. „Die Erfolgsrate liegt dabei bei überdurchschnittlichen 40 Prozent pro Versuch“, berichtet Chandra. Damit rangiert die Münderaner Klinik unter den Top 10 der Branche.

„Es ist schon überaus bemerkenswert, dass wir das an einem Ort wie Bad Münder schaffen“, stellt der Mediziner fest. Die Gründe für den Erfolg sieht er zum einen in der überdurchschnittlichen Schwangerschaftsrate, zum anderen in der in Bad Münder sehr erfolgreich praktizierten ganzheitlichen und nachhaltigen Betreuung der Patienten. „Es geht nämlich nicht nur ums Medizinische“, so Chandra, „Körper und Seele spielen eine gleich wichtige Rolle. Der psychische Stress einer solchen Behandlung ist groß und die Betreuung muss darauf ausgerichtet sein.“

Paare im Alter zwischen 20 und 45 suchen in der Klinik Rat und Hilfe. „Leider kommen die Deutschen fast immer erst dann, wenn es fast zu spät ist. Es fehlt einfach am Bewusstsein, sich mit Kindern und Familienplanung rechtzeitig zu beschäftigen“, beklagt Chandra. Dabei wüchsen mit fortschreitendem Alter die Risiken und Gefahren, gesunden Nachwuchs zu zeugen, erheblich. „Sinnlos ist es ab 43, aber auch 40 ist eigentlich schon die Grenze“, warnt der Mediziner. Bei Familien mit Migrationshintergrund dagegen sähe es ganz anders aus. „Die heiraten mit 18 und nach zwei Jahren kinderloser Ehe steigt der Druck der Familie auf die Frau gewaltig“, berichtet der Arzt. Während hierzulande Kinder in den Lebensplanungen nicht unbedingt ganz vorne rangierten, sei für ausländische Familien Nachwuchs das wichtigste Ziel der Ehe. „Stress, Umwelt und Lebensstil spielen entgegen der landläufigen Meinung keine Rolle. Es ist einzig eine Einstellungssache.“

Rund zwei Monate dauere eine Behandlung. Tritt die Regel der Frau ein, werden durch eine zehntägige Hormontherapie sieben bis zehn Eizellen gewonnen, die dann mit dem aufbereiteten männlichen Samen im Reagenzglas zusammengebracht werden. „Ein rein labortechnischer Vorgang. Wir spielen hier nicht Gott“, stellt Chandra klar. „Es bleibt Zufall, denn auch das stärkste Spermium ist nicht notwendigerweise das gesündeste.“

Um die 1600 Euro kostet ein Befruchtungsversuch. „Bis zum Alter von 43 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Hälfte der Kosten“, so Chandra. Drei Versuche sind möglich. Ab dem vierten wird es jedoch teuer: Rund 5000 bis 7000 Euro fallen dann für jeden weiteren Versuch an. „Auch die seelischen Belastungen sind nicht zu unterschätzen“, so der Arzt.

Die Aussichten der Deutschen Klinik sind bestens. Die medizinischen Möglichkeiten der Zukunft, die durch die Entwicklungen auf dem Gebiet der Präembryonal- und Pränataldiagnostik möglich sind, sehen die münderschen Reproduktionsmediziner durchaus mit kritischer Sorge. Für sie steht jedoch fest: „Wir produzieren keine Wunsch- und Katalogkinder.“ Ethische Leitlinie bleibt einzig das gesundheitliche Wohl des Nachwuchses und die Hilfe für kinderlose Paare.

„Parkplätze und eine bessere Anbindung zum Bahnhof“, wünscht sich Chandra von der Stadt. Die Zukunft am Standort Bad Münder sieht er mit Optimismus und Gelassenheit. Schließlich gehört die deutschlandweit agierende Einrichtung zu den anerkanntesten Kliniken in Sachen „Kinderwunsch“ der Republik.

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