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Der Jägerlehrhof als zentrale Aus- und Weiterbildungsstätte

SPRINGE. „Waidmannsheil“ – diesen Jagdgruß hört man in den Räumlichkeiten des Jägerlehrhofs in Springe auffällig oft. Kein Wunder – werden hier doch angehende Jäger ausgebildet.

Der Jägerlehrhof: Integriert ans Jagdschloss kommen jährlich mehr als 1000 Kursteilnehmer an den Rand der Stadt Springe. FOTO: MISCHER
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

„Im vergangenen Monat hatten wir 18 Teilnehmer hier“, berichtet Lehrhofsleiter Sven Lübbers. Der dreiwöchige Kurs sei speziell auf Schüler ausgerichtet gewesen, „wegen der Ferien“. Die Schüler kommen aber nicht nur aus Niedersachsen, „wir haben auch Gäste aus Nordrhein-Westfalen und aus Hessen hier“, sagt der studierte Forstmann.

Während der drei Wochen bleiben die Kurs-Teilnehmer im Jägerlehrhof. „Bei uns gibt es das Rundum-sorglos-Paket. Wir haben 24 Betten vor Ort; zudem ist im Preis bei vielen Seminaren die Verpflegung enthalten. Morgens, mittags und abends gibt es frisch zubereitetes Essen aus der hauseigenen Schlossküche.“ Eine solche Versorgung sei auch notwendig. „Die angehenden Jäger haben insgesamt mehr als 200 Unterrichtseinheiten, dazu kommen Reviergänge und Schießübungen.“

Aber – so betont der Leiter – „die Jagdschein-Kurse machen nur einen kleinen Teil des gesamten Angebots des Jägerlehrhofs aus. Pro Jahr finden zwischen 20 und 30 mehrtägige Veranstaltungen am Jägerlehrhof statt. Dazu kommen noch diverse Tagesseminare, sodass im Jahr über 1000 Teilnehmer das Angebot in Anspruch nehmen.“ Dabei gehe es hauptsächlich um die Weiterbildung der Jäger.

Vom Jagdhornblasen über das Einweisen von Jagdhunden bis hin zum Flintentraining für Krähen- und Gänsejäger: Die Auswahl der Seminare ist breit gefächert. Besonders beliebt sei der Falkner-Jagdschein. Dann kämen sogar Gäste aus Bayern, Baden-Württemberg und der Schweiz an den Deister. „Deutschlandweit wird so ein Kurs nur sehr selten angeboten“, sagt Lübbers. Springe liege zwar nicht im Herzen des Landes, aber das Ambiente vor Ort überzeuge, „sodass auch Wiederholungstäter zu uns kommen und ein weiteres Seminar buchen – eben weil der Deister landschaftlich so attraktiv ist.“

Sollten die 24 Betten im Jägerlehrhof bereits belegt sein, gibt es weitere Möglichkeiten: „Wir haben einen großen Pool an Vermietern, Hotels und Pensionen, die Zimmer oder Wohnungen zur Verfügung stellen“, berichtet Lübbers. Die Zusammenarbeit klappe sehr gut. Hin und wieder flattere auch mal eine Broschüre von der Stadt rein. „Ansonsten ist der Kontakt nicht sonderlich intensiv.“

Mehr als 2000 Besucher passieren jedes Jahr den Jägerlehrhof. „Nicht nur Kursteilnehmer kommen zu uns. Wir bieten auch Gästeführungen an.“ Ein Besuchermagnet sei zudem der Wettbewerb zum Jagdhornblasen, der alle zwei Jahre stattfindet.

Die Teilnehmerzahl halte sich auf einem erfreulich hohen Niveau. „Bei uns machen vor allem die Stammkunden viel aus, die den Jägerlehrhof weiterempfehlen.“ Gerade die Mundpropaganda funktioniere sehr gut.

Die ersten Pläne für einen Jägerlehrhof im Jagdschloss Springe wurden bereits 1936 durch Mitarbeiter des Reichsjagdamtes Berlin entwickelt. Der Kriegsausbruch verhinderte aber den notwendigen Umbau und die Einrichtung des Jägerlehrhofs im Jagdschloss Springe. Von 1918 bis 1962 wurde das Jagdschloss hauptsächlich zweckentfremdet als Lazarett, Kinderheim und Krankenhaus genutzt. 1961 kurz vor der Auslagerung des Krankenhauses stellte man erste Überlegungen über die weitere Zukunft des Jagdschlosses an. Stimmen aus der Jägerschaft forderten eine jagdliche Nutzung. 1965 bis 1967 erfolgte dann die dringend notwendige Renovierung. Seitdem befindet sich der Jägerlehrhof als älteste Einrichtung seiner Art im Jagdschloss Springe.

„Eigentümer der Räumlichkeiten ist das Forstamt“, erklärt Lübbers. Die Landesjägerschaft Niedersachsen als Träger des Jägerlehrhofs sei lediglich Mieter. „Anders als private Jagdschulen müssen wir am Ende des Jahres einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen und keinen Gewinn erwirtschaften.“ Von den Einnahmen aus den Kursen müssten Miete, Heizkosten, Wasser und die Gehälter der elf Mitarbeiter gezahlt werden.

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