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Der lange Abschied vom Springer Krankenhaus

SPRINGE. Die Idee ist wie ein Stehaufmännchen, im Wahlkampf zum Beispiel – aber auch danach: Immer wieder gibt es jemanden, der sich mit diesem Plan vorwagt: Man müsste, heißt es dann, das Krankenhaus wieder eröffnen. ,Wie realistisch ist das? Eine Spurensuche.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Das Problem, es fängt schon ganz oben an. Beim Land, das mit den Krankenkassen den offiziellen Krankenhausplan aushandelt, müsste die bislang ja für Springe vorgesehenen Betten wieder neu einplanen. Nach der Schließung waren die Gehrden und Laatzen zugeschlagen worden. Entweder müsste es also zusätzliche Betten für einen neuen Betreiber in Springe geben. Oder das Regionsklinikum gibt diese frei, um sie an einen neuen Betreiber abzugeben.

Hier prallen gleich mehrere Probleme aufeinander: Da ist zum Einen der Krankenhausplanungsausschuss des Landes, der zuletzt etwa die Notfallambulanz genehmigt hatte. In ihm sitzen auch die Krankenkassen, die schon die Ambulanz nur zähneknirschend genehmigt hatten. Ein komplett neues Krankenhaus würde wohl nicht nur deshalb im Ausschuss kein grünes Licht bekommen.

Zweites Problem dort: die offiziellen Zahlen. Denn momentan gilt die Region um Springe statistisch als überversorgt mit Krankenhausbetten – denn die, die früher an der Eldagser Straße waren, sind ja nicht weg – sondern auf dem Papier nur umgezogen. Selbst die Notfallambulanz wird mit einigen früheren Springer Betten betrieben – nicht mit zusätzlichen Einheiten.

Selbst wenn sich ein neuer Betreiber trotz aller Hürden dafür erwärmen könnte, wieder ein Krankenhaus in Springe zu eröffnen – er würde höchstwahrscheinlich am Widerstand des Klinikums Region Hannover als Gebäudebesitzer scheitern: Der Neuen Deister-Zeitung erklärte das Unternehmen auf Anfrage, man schließe grundsätzlich aus, an einen externen Krankenhausbetreiber zu vermieten: So hole man sich ja die eigene Konkurrenz ins Haus, die etwa gegen den Standort Gehrden arbeiten würde. Ein Sprecher bestätigte außerdem, es gebe besagte „krankenhausplanerische Voraussetzungen“ beim Land nicht.

Dass das Klinikum selbst den Standort wieder öffnet? Extrem unwahrscheinlich. Die Medizinstrategie wird umgesetzt – und die große Koalition in der Regionsversammlung, die einen entsprechenden Beschluss fassen müsste, hat in den nächsten fünf Jahren keine Pläne in diese Richtung: Das zeigt der Blick in den Koalitionsvertrag.

Was passiert stattdessen? Wie berichtet gibt es immer wieder Interessenten, die sich auch durch das Gebäude führen lassen. Beim Klinikum schließt man weder eine Vermietung noch einen Verkauf aus – einzig: Konkret geworden ist bisher noch kein Plan einer Nachnutzung.

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