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Ärztezentrum laut Kassenärztlicher Vereinigung überflüssig

SPRINGE. Die Zahlen liegen längst auf dem Tisch – und die von der Region neu ausgearbeiteten Konzepte zur Zukunft der Notfallambulanz machen die Sache nicht unbedingt einfacher.

Pustekuchen: Laut Kassenärztlicher Vereinigung besteht kein Bedarf für ein Medizinisches Versorgungszentrum. FOTO: MISCHER
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Denn als realistischste Variante wird in dem Papier die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) als Alternative zur Notfallambulanz gehandelt. Aber die ist mit etlichen Hürden verbunden.

Wie berichtet, müssten fünf Vollzeit-Fachärzte in dem Zentrum praktizieren, um eine 24-Stunden-Versorung zu gewährleisten. Dazu müssten sich entweder hiesige Mediziner dafür entscheiden, ihren Standort in die Räume des ehemaligen Krankenhauses zu verlegen – oder die Kassenärztliche Vereinigung (KV) müsste grünes Licht dafür geben, dass mehr Ärzte nach Springe kommen, zumindest zeitweise.

Auf dem Papier der Kassenärztlichen Vereinigung gilt Springe als überversorgt: 20,5 Arztstellen verzeichnet die Organisation im Stadtgebiet, davon zwölf in Praxisgemeinschaften. Ergibt eine Quote von 113,8 – ideal ist ein Wert von 100. Alles darüber soll nach derzeitiger Gesetzlage wegfallen, Neuzulassungen gibt es keine. Auch nicht als Ausnahmeregelung?

Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung, macht klar, dass es solche Ausnahmen zwar gibt. Allerdings nur dann, wenn „die Versorgung der Versicherten ansonsten nicht sichergestellt ist“. Das gilt für Springe nicht. Dass sich bereits hier praktizierende Ärzte finden, die sich in einem MVZ engagieren möchten, hält der Fachmann ebenfalls für unwahrscheinlich: „Die ambulante Versorgung in Springe ist etabliert, inclusive des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes. Ein Engagement darüber hinaus ist eher unwahrscheinlich.“ So schätzt denn der Verband der Kassenärzte auch den Bedarf der Patienten für ein MVZ eher als gering ein.

Vielleicht lohnt es sich aber für Springer Mediziner in wirtschaflticher Hinsicht, ihre Praxis in ein MVZ zu verlagern? Immerhin ist das Praktizieren in einem solchen Zentrum für sie potenziell mit Kostenersparnissen verbunden: Die Miete würde geringer ausfallen und die Personalkosten sänken auch, weil diese Kosten von mehreren Ärzten bezahlt würden. Und auch sonst böte ein solches Zentrum Vorteile für die Ärzte: sie könnten ihre Arbeitszeiten flexibler gestalten und verfügten über eine stärkere Marktposition als in einer Einzelpraxis.

Aber damit der Umzug lukrativ würde, müsste das Zentrum zunächst einmal wirtschaftlich arbeiten. Ist das wahrscheinlich? „Nein, auf keinen Fall“, sagt Haffke zu der Frage nach der Wirtschaftlichkeit eines MVZ in Springe – die bisherigen durchschnittlichen Zahlen der Notfallambulanz von zehn Patientenkontakten pro Tag zugrunde gelegt.

Wenn sich die bisher über die Stadt verteilten Praxen im MVZ konzentrieren, ist es wahrscheinlich, dass die Patientenzahlen steigen werden. Dafür allerdings bräuchte es laut Kassenärztlicher Vereinigung einen optimalen Standort. Haffke: „Wichtig für eine MVZ ist die Anbindung an den Personennahverkehr.“ Da erscheint es ohnehin als ungünstig, dass das die Notfallambulanz zumindest keinen direkten Zugang zu den S-Bahnen bietet. Und somit noch schlechtere Wirtschaftlichkeits-Aussichten.

Bleibt eine zweite Option. Das Gebäude am Deisterrand anders zu nutzen – und ein Ärztezentrum stattdessen irgendwo in der Innenstadt zu etablieren. Bereits in der Diskussion war immer wieder, das Sparkassenhochhaus in der Bahnhofstraße als solches zu nutzen. Schon als das Krankenhaus aufgegeben wurde, hatte die Region einen Vorstoß in Richtung Facharztzentrum gewagt. Doch die heimischen Mediziner winkten ab. Damals fehlte es auch an einem attraktiven Standort.

Das Sparkassenhochhaus hätte den Vorteil, dass es verkehrsgünstig gelegen ist und sogar vom Bahnhof aus fußläufig erreichbar wäre. Bevor es als Versorgungszentrum genutzt werden könnte, wären aber große Investitionen nötig.

Egal, wie die Politik entscheiden wird: Ob für ein MVZ, den Fortbetrieb der Notfallambulanz wie bisher oder einen Fortbetrieb unter Regie des des Klinikums Robert Koch Gehrden: In jedem Fall stellt ihr Beschluss nicht das letzte Wort dar. Letztlich entscheidet der Zulassungsausschuss der Region. Und der ist mit Vertretern der Ärzte und der Krankenkassen besetzt. Für Erstere stellt die Kassenärztliche Vereinigung ein wichtiges Sprachrohr dar. Und die hat ihre Entscheidung betroffen.

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