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Treffen der Generationen

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Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Obwohl beide für unterschiedliche Parteien antreten, haben sie mehr gemeinsam, als man annehmen sollte, wie unser Treffen der Generationen zeigt.

Als Franz Schwanzer geboren wurde, da schlachteten die Nazis die Olympischen Spiele in Berlin gerade für ihre Propagandazwecke aus. Und die Wehrmacht marschierte im entmilitarisierten Rheinland ein. Dinge, die eine Generation im Widerstand geprägt haben. Schwanzer ist seit über 30 Jahren SPD-Mitglied. „Mir geht es um die soziale Gerechtigkeit“, sagt der Altenhagener, der lange Zeit Vorsitzender der damaligen SPD-Abteilung Altenhagen I war. Und jetzt bald seine Ratspremiere feiern könnte.

Lipp gehört dagegen zu einer Generation, die vollständig im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen ist. Weltkriege, Kalter Krieg und Mauerfall, prägende Ereignisse während des Aufwachsens vorangegangener Generationen, kennen sie nur noch aus Erzählungen der Eltern oder Großeltern. Oder aus dem Geschichtsunterricht in der Schule.

Lipp und Schwanzer geben sich zu Beginn des Treffens die Hand. Setzen sich auf einen Stuhl, bestellen einen Kaffee: Schwanzer klassischen Schwarzen in einem Druckkännchen, Lipp mit Milchschaum und Flavour.

„Das größte Problem ist ja, dass viele Leute in meinem Alter sagen, dass sich Engagement ohnehin nicht lohne – die machen ja eh, was sie wollen“, sagt Lipp. Schwanzer nickt. Das sei, sagt er, die typische Nichtwählereinstellung. „Aber das funktioniert so nicht. Denn wir leben in einer Demokratie. Und das heißt Volksherrschaft.“

Laut der aktuellen Shell-Jugendstudie zeigen immer mehr Jugendliche politisches Interesse. Im Vergleich zu 30 Prozent im Jahr 2002 bezeichnet sich 2015 41 Prozent als „politisch interessiert“.

Volksherrschaft, das ist das Stichwort für Lipp. Der 18-Jährige hat ausgerechnet, dass das Durchschnittsalter der im Rat vertretenen Politiker irgendwo im Bereich 50 plus liegt. „Ich fühle mich und meine Generation da nicht richtig vertreten“, sagt er. Deshalb wirft er eben selbst seinen Hut in den Ring.

Schwanzer wirft ein, dass sich die Jungen häufig nicht mehr langfristig engagierten. „Da ist eine Bindungslosigkeit zu beobachten“, sagt er. In der Partei werde schon lange darüber gegrübelt, wie man damit umgehen solle, „noch haben wir keine Lösung gefunden“.

Laut der Jugendstudie ist mit dem politischen Interesse bei jungen Leuten auch die Bereitschaft zur eigenen Beteiligung an politischen Aktivitäten verbunden. Dabei kommen die Macher der Studie zu dem Schluss, dass die etablierten Parteien davon nicht profitieren würden. Stattdessen bleibe die Politikverdrossenheit hoch. Jugendliche brächten den Parteien wenig Vertrauen entgegen.

Lipp würde sich indes wünschen, dass junge Leute verstärkt auch auf vordere Listenplätze gehievt werden. „Aber es wird halt befürchtet, dass die Jugendlichen die Stadt fürs Studium verlassen, deshalb hält man sich da zurück“, fürchtet der Bennigser, der mit 14 Jahren in die Junge Union eingetreten ist.

Der junge Mann blickt zurück: Der frühe Eintritt in die Jugendorganisation habe ihm geholfen, von den alten Hasen ernst genommen zu werden. „Mein Gesicht war vielen schon bekannt“, sagt er. Als Schwanzer vor über 30 Jahren die SPD eintrat, da hatte auch er das Gefühl, gut angenommen zu werden. „Unser Ortsbürgermeister war damals auch der Vorsitzende der SPD-Abteilung. Er war sehr aktiv, ich war da schnell integriert.“

Und genauso versuche er das auch heute zu machen: Leuten, die bereit sind, aktiv zu werden, schnell eine Position innerhalb der Parteigremien anzubieten.

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