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Warum unterschiedliche Parteibücher bei Hauns kein Streitthema sind

Liebe über Parteigrenzen hinweg

LÜDERSEN. Sie haben so viele Gemeinsamkeiten: Sie ist 59, er auch. Er ist Bauingenieur, sie auch. Sie engagiert sich ehrenamtlich. Er auch. Sie wohnt seit 28 Jahren in Lüdersen – und er auch. Logisch irgendwie, schließlich sind sie verheiratet und wohnen im selben Haus. Bei einer Sache, da hört es aber mit den Gemeinsamkeiten auf: der Politik. Ute Austermann-Haun ist überzeugte Christdemokratin und im Ortsrat aktiv. Ihr Mann, Wilfried Haun, hat seit seinem 20. Lebensjahr ein SPD-Parteibuch – und sitzt für die Genossen im Ortsrat. Ansonsten verstehen sich beide aber prächtig.

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Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Austermann-Haun trägt eine Rose mit weit geöffneter Blüte am Ringfinger. Die Blütenblätter des Schmuckstücks sind – schwarz. „Als wir uns kennenlernten, hatte jeder schon seine politische Richtung“, sagt die Lüderserin, die als Professorin an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe lehrt. Kennengelernt hatten sich beide während des Ingenieur-Studiums in Hannover. Und einmal habe er sie mitgenommen auf eine SPD-Versammlung. Austermann-Haun: „Ich fand das grausig mit den ganzen Genossen.“

Seither hat es, dem Vernehmen nach, keine größeren Versuche mehr gegeben, den Partner davon zu überzeugen, dass die jeweils eigene Partei recht hat. Und auch über die Treffen der lokalen Parteisitzungen tauschen sich beide wenig aus: Austermann-Haun: „Wir plaudern ja nicht über Parteigeheimnisse, das geht ja nicht.“

Wenn es doch zu Diskussionen kommt, dann mit Vorliebe über Ereignisse der jüngsten Geschichte. Die sind schon vorbei, da kann ohnehin niemand etwas dran ändern. Wie etwa die Wahl von Ernst Albrecht zum ersten CDU-Ministerpräsidenten Niedersachsens. „Das war eine Machtergreifung damals“, frotzelt Herr Haun. Seine Frau kontert: „Ach was, er ist ja demokratisch gewählt worden.“ Er winkt ab: „Aber wie!“

Und dann holt die Gattin zur Erklärung aus: „Wir kabbeln uns immer ein wenig – und halten uns die Fehler der jeweils anderen Partei vor.“ Er schweigt. Dann setzt er zum Gegenschlag an: „Vor allem Du machst das...“

Was beide eint, ist die Liebe zu Lüdersen, zum politischen Diskurs, zum Mitmachen und Einmischen – und zum Ehrenamt: Beide sind für ihre Parteien im Ortsrat Lüdersen aktiv. Und stehen auch für die anstehende Wahl auf den Listen. Haun: „Unser Lüdersen ist einer von 13 Ortsteilen – und es ist sehr wichtig, dass er eine starke Stimme hat.“ Austermann-Haun ergänzt: „Die Ortsräte standen politisch ja schon einmal zur Disposition. Gäbe es sie nicht, würden viele Dinge im Dorf nicht umgesetzt.“

Zum Streit am Frühstückstisch über die Politik kommt es deshalb nicht. Sagen sie. Und irgendwie kämpfen ja beide für die gleiche Sache. Nur ihre Parteibücher, die sehen unterschiedlich aus. „Wir lassen uns gegenseitig einfach nicht mehr provozieren“, sagt sie. Und er ergänzt: „Überzeugen können wir uns ohnehin nicht mehr von der jeweils anderen Sichtweise.“ Irgendwie klingt die Erkenntnis ziemlich klug. Und vielleicht ist sie die wichtigste Gemeinsamkeit, die beide haben.

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