weather-image

Die Männer regieren Springe

SPRINGE. Brauchen wir in Springe mehr Frauen in der Politik? Ein Blick auf die Wahllisten für den 11. September und die Zahlen, die sie verraten, sagt: Ja. Weniger als 30 Prozent der dort aufgeführten Kandidaten sind Frauen. Ein Wert, der bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren fast genau so ausfiel. Für den Stadtrat kandidieren 75 Männer (2011: 71) und gerade mal 23 Frauen (2011: 24). Für die Ortsräte stehen 123 Männer (2011: 122) und 40 Frauen (2011: 41) auf der Liste. Aber wird die Politik dadurch schlechter?

270_0900_9143_rat.jpg
hermes

Autor

Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Für die FDP treten für den Ortsrat Springe beispielsweise nur Männer an. „Wir hätten gern mehr Frauen in der Politik“, sagt Klaus Nagel, Spitzenkandidat der FDP für den Springer Stadtrat. „Das würde die Volksvertretung repräsentativer machen – und für die Gesellschaft interessanter.“ Seiner Meinung nach schadet es der Politik, dass der Anteil der Frauen so gering ausfällt. „Gerade junge Frauen bringen frischen Wind und holen uns Männer auch mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn wir uns verzetteln“, gibt er schmunzelnd zu.

Oft diskutiere er auch mit seinen Schwiegertöchtern über Politik, dabei gehe es zum Beispiel um die Themen Bildung und Kinderbetreuung. „Ich bin immer wieder positiv überrascht, welche Ansichten dabei zutage kommen und wo eigentlich die Probleme liegen, die viele von uns im Rat erst gar nicht erkannt haben.“

Diese Ansichten fehlten natürlich, wenn weniger Frauen im Rat vertreten seien. Gerade bei jungen Frauen merke er, dass das Interesse zwar da sei, sie aber wegen der Kinder nicht die Zeit für das Ehrenamt aufbringen könnten. Er hoffe, dass die Mütter in vier Jahren im Rat „nachrücken, wenn die Kinder so alt sind, dass sich ein Sitz im Rat mit der Kindererziehung vereinbaren lässt.. Das Problem sei ganz klar, dass oft genau zur Zu-Bett-Geh-Zeit der Kinder getagt werde.

Das Argument Familie lässt SPD-Fraktionschefin Katrin Kreipe nicht gelten. „Familie ist kein Grund für Frauen, nicht für den Rat zu kandidieren. Immerhin ist Familie ein Gemeinschaftsprojekt, das nicht nur auf den Schultern der Frauen lastet“, macht Kreipe deutlich. Sie könne sich nicht erklären, warum der Frauenanteil in der kommunalen Politik so gering ausfalle. Bewusst Frauen für die Kommunalwahl geworben habe ihre Partei allerdings auch nicht. „Wer Interesse hat, kommt sowieso. Alle anderen lassen sich auch nicht überzeugen“, glaubt Kreipe. Für sie spiele es keine Rolle, wie die Verteilung von Frauen und Männern im Rat aussehe. „Wichtig ist, dass die Arbeit gut gemacht wird, egal von wem. Da unterscheide ich nicht zwischen Männern und Frauen.“

Aber woran liegt es, dass Frauen gerade in der kommunalen Politik oft unterrepräsentiert sind? Laut einer Studie ist es speziell für kleine Parlamente in den Gemeinden oder Ortsbeiräten problematisch, Bewerberinnen für ein politisches Ehrenamt zu gewinnen. Die möglichen Gründe: ungünstige Termine für die Sitzungen, mangelndes Selbstbewusstsein und eine andere Streitkultur. Während Männer oft selbst ernannte Experten für Kommunalpolitik seien, trauten sich Frauen die Aufgabe nicht zu und müssten gedrängt werden, heißt es in der Studie. Hätten die Frauen dann ein Amt inne, seien sie oft die Aktiveren. Die Art der politischen Debatten schrecke potenzielle Bewerberinnen ab.

Nicht umsonst gibt es ein Programm der niedersächsischen Landesregierung. Der Titel: „Politik braucht Frauen“. Dabei sollen Frauen unterstützt werden, die erste Schritte in Richtung Kommunalpolitik gehen wollen. Das Programm soll sie ermutigen, an politischen Entscheidungen mitzuwirken.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare