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Landesbischof Ralf Meister besucht zum ersten Mal Springe

Zu Gast in der Ideenschmiede des Ehrenamts

Springe (ric). Ralf Meister setzt Prioritäten für die Kirche der Zukunft: Beim Besuch in Springe sagte der evangelische Landesbischof gestern, dass er eher an Immobilien als am Personal sparen wolle. Im Gemeindeladen Doppelpunkt entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.

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Kirche definiere sich nicht über ihre Räume, machte der Nachfolger von Margot Käßmann deutlich. „Wir werden den Gebäudebestand reduzieren.“ Das Leitbild der 70er- und 80er-Jahre sei längst überholt. Initiativen wie die des Doppelpunkts begrüßte Meister ausdrücklich. Den Laden gegenüber dem Alten Rathaus gibt es seit März, er ist niedrigschwellige Anlaufstelle für Helfende wie Hilfesuchende gleichermaßen, erklärte Mitinitiatorin Ulrike Hoffmann-Bürrig. Mit Sandra Lehmann von der Diakonie gibt es eine bezahlte Kraft, der große Rest wird durch Ehrenamtliche und Spenden getragen. „Dieses Projekt wirkt wie eine soziale Ideenwerkstatt“, sagte der Theologe. Er ließ sich von der versammelten Mannschaft genau erklären, welche Angebote es vor Ort gibt. „Was sind die größten Probleme in dieser Stadt?“, fragte Meister. Und er erhielt vielfältige Antworten. So hat etwa Werner Rothe festgestellt, dass anders als früher viele einsame Menschen in Springe leben.

Einen Zusammenhang sehen die Kirchenvertreter darin, dass Springe zum einen die Stadt in der Region mit den ältesten Einwohnern ist, gleichwohl Jüngere kaum noch Kontakt zu ihren Nachbarn haben. Dass es Probleme in der Kinderbetreuung gibt. Und – darauf wies Superintendent Detlef Brandes hin – dass die Stadt Springe in ihrer „prekären Finanzsituation nur noch verwalten und nicht mehr gestalten“ könne. Der Kommunalpolitik und der Verwaltung müsse deutlich werden, „dass freiwillige Leistung enorme Rendite bringt.“

Pastor Eckhard Lukow (St. Petrus) wies auf vernachlässigte Stadtteile hin. Im „Brennpunkt Ebersberg“ sei die Kirche völlig außen vor, seit dort das Gemeindezentrum am Spenner Brink verkauft wurde. „Vielleicht sollten wir dort eine Präsenz schaffen.“ Gemeindemitglied Kai Schmidt forderte Meister auf, etwas gegen den Rückzug aus der Fläche zu tun. Kantor Cornelius Schneider-Pungs erwähnte, man müsse in Personal investieren. Es waren viele Hinweise, die der Landesbischof mit nach Hannover nahm.

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