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Gericht: Alkoholisierter Gestorfer greift nach Diebstahl Verkäufer an / Geldstrafe

Zeuge: „Es hat richtig geklatscht“

Bennigsen/Gestorf (zett). Seit zwei Jahrzehnten schon trinkt der 45-jährige Gestorfer unkontrolliert Alkohol, eine Kiste Bier pro Tag war oft der Standard. Vor einem Jahr wurde ihm sein Lebensstil schließlich zum Verhängnis: Nach einem missglückten Diebstahl in einem Supermarkt in Bennigsen griff er einen Verkäufer an, der ihn aufhalten wollte. Gestern verurteilte ihn das Amtsgericht Springe zu einer Geldstrafe.


Der Angeklagte zeigte sich gestern bei der Verhandlung voller Reue – und Erinnerungslücken. Den Ladendiebstahl, den räumte er sofort ein. Es war der Abend des 24. Januar 2009. Gegen 20.40 Uhr, kurz vor Ladenschluss, betrat er den Laden an der Straße „Osterland“. Stark angetrunken war er zu diesem Zeitpunkt, zwei Stunden später noch ergab eine Blutprobe einen Promillewert von 3,21. Und er griff zu: Zwei Pakete Käse und zwei Pakete Schweineleber, Gesamtwert 7,14 Euro, ließ er unter seiner Lederjacke verschwinden. An der Kasse zahlte er nur eine Tüte Milch und bewegte sich Richtung Ausgang.

„Ich konnte ihn nicht bändigen“

Doch er hatte die Rechnung ohne einen der Supermarkt-Angestellten gemacht. Dieser gab gestern zu Protokoll, er habe den 46-Jährigen bereits im Büro auf den Überwachungsmonitoren beobachtet, seine ausgebeulte Jacke gesehen: „Ich habe mich dann an die Kasse gestellt und gewartet“, erinnerte sich der 23-jährige Einzelhandelskaufmann gestern. Als der Angeklagte das Gebäude verlassen wollte, sprach er ihn an: „Ich habe gesagt, er möchte bitte ins Büro mitkommen.“ Als sich der Gestorfer weigerte, kündigte der Verkäufer an, die Polizei zu holen: „Da wollte er mir die Sachen wiedergeben und gehen. Aber so läuft das nicht.“ Der Verkäufer rief die Polizei und wollte den Angeklagten festhalten: „Aber ich konnte ihn nicht bändigen.“ Auf dem Parkplatz eskalierte die Rangelei: Nach Auffassung des Gerichts schlug der Gestorfer seinem Kontrahenten zweimal mit einer Fleischpackung ins Gesicht. Zwei Zeugen konnten den Mann schließlich festhalten, bis die Polizei kam. Der eine erinnerte sich gestern an den Moment des erstes Schlages: „Es hat richtig geklatscht“, sagte er. Aus dem Gedächtnis des Angeklagten war die Rangelei gestern nach eigenem Vernehmen verschwunden – nur dass er eigentlich genug Geld gehabt hätte, um die Ware zu bezahlen, das wusste er noch.

Richterin Vanessa Brandt verurteilte den 46-jährigen Arbeitslosen schließlich zu einer Geldstrafe in Höhe von 450 Euro – und mahnte ihn, seinen Alkoholkonsum in den Griff zu bekommen. Der Angeklagte nutze die Verhandlung, um sich bei dem Supermarkt-Angestellten zu entschuldigen. Der nahm‘s mit Freude zur Kenntnis: „Darauf habe ich gewartet.“

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