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„Wir haben keine Lust am Töten“

Springe. Sie würden doch nur leichte Beute machen wollen – ein Vorwurf, den Reinhard Ebeling, Vorsitzender der Jägerschaft Springe, nicht mehr hören kann.

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VON MARITA SCHEFFLER

Springe. Sie würden doch nur leichte Beute machen wollen – ein Vorwurf, den Reinhard Ebeling, Vorsitzender der Jägerschaft Springe, nicht mehr hören kann. Wenn er und seine Kollegen derzeit mit Warnwesten und Gewehren an den Maisfeldern stehen, dann ganz bestimmt nicht, „weil wir Lust am Töten hätten“.

Die Zahl der Wildschweine im Stadtgebiet steigt seit Jahren stark. „Dazu haben vor allem die milden Winter und der hohe Eichelabwurf beigetragen“, erklärt Tobias Behrens, stellvertretender Leiter des Hegerings II. Die äußeren Voraussetzungen für die Rotten sind also ideal. Die Tiere seien mittlerweile in Gegenden vorgedrungen, in denen sie früher so gut wie nie gesichtet wurden. „Die Sauen kommen in einer Nacht ungesehen vom Osterwald bis Mittelrode oder Völksen.“ Vor Ort seien kleine Bestände entstanden.

141 Wildschweine sind im Jagdjahr 2014/2015 im Gebiet des Hegerings II erlegt worden. Der Bereich umfasst die Kernstadt und alle Ortsteile, ausgenommen sind lediglich Bennigsen, Lüdersen und Gestorf. Nach Behrens’ Meinung müssten die Jäger eigentlich deutlich mehr Tiere erlegen: Es wachsen mehr Frischlinge nach als Alttiere sterben.

Dazu komme ein zweites Problem: „Wir müssen zusehen, dass wir den Bestand gesund halten“, umschreibt Behrens. Mitte dieser Woche ist im Kreis Salzwedel wieder die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut) nachgewiesen worden, die seit zehn Jahren in Deutschland als ausgerottet galt. Die Viren können auch Nutz- und Haustiere befallen. Auch die Afrikanische Schweinepest drohe, ins Land eingeschleppt zu werden, so Ebeling: „Theoretisch kann ein unachtsam weggeworfenes Wurstbrot ausreichen, um die Seuche zu übertragen.“

Eine Schutzmaßnahme sei, die Überpopulation einzudämmen. In ihrer Freizeit würden er und seine Kollegen deshalb in diesem Herbst die Landwirte bei der Maisernte begleiten, sagt Ebeling. Während der Häcksler läuft, stehen drei bis vier erfahrene Jäger am Feldrand und versuchen, fliehende Wildschweine zu erwischen. Wegen der Größe der Ackerflächen und oftmals schlechten Sichtverhältnisse eine schwierige Aufgabe. „Trotzdem können wir uns der Verpflichtung nicht entziehen“, sagt Ebeling, dem wichtig ist, dass Zuschauer die Situation verstehen können – und keine falschen Schlüsse ziehen.

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