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Wie Kinder in Bennigsen über den Tod sprechen

BENNIGSEN. Ganz geheuer war ihnen das Thema im Vorfeld nicht. Ob sie sich einen Toten anschauen müssen oder ein Skelett? Die Drittklässler der Grundschule Bennigsen haben sich eine Woche lang mit dem Thema „Tod“ auseinandergesetzt. „Hospiz macht Schule“ heißt das Projekt.

Die Drittklässler der Grundschule Bennigsen verabschieden sich von ihren Gruppenleitern: Barbara Hartmann (hinten, von links), Jörg Bohn, Manuela Schwickert, Jens Laugesen, Christina Krafochvil, Madlen Ludwig, Katrin Moormeister und Inge Barthes. Fot
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

„Hospiz macht Schule“ ist ein Projekt, das bundesweit einheitlich nach den Vorgaben der Bundeshospizakademie angeboten wird.

„Jeder Mensch muss mal sterben“, sagt der neunjährige Tom. Angst machen ihm die Worte aber nicht. Es ist eben Fakt. Sieben ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizvereins Springe haben an fünf Tagen mit den Mädchen und Jungen kindgerecht über das Thema Tod gesprochen – sowohl in der großen Gruppe als auch in kleineren Teameinheiten. Eingesetzt wurden dabei Mittel wie Gesprächskreise, Mal- und Bastelarbeiten, Singen, Filme oder Geschichten. „Alles Gesagte bleibt in einem geschützten Raum“, betont Katrin Moormeister, die das Projekt koordiniert.

Wichtig sei, dass jedes Kind mit seinen Gedanken und Gefühlen ernst genommen und nicht allein gelassen werde. „Niemand muss sich schämen oder wird ausgelacht“, sagt Moormeister. „Auch nicht, wenn Tränen fließen.“ Sie und ihre entsprechend ausgebildeten ehrenamtlichen Mitstreiter vom Hospizverein stellen immer wieder fest, dass die Kinder keine Berührungsängste mit dem Thema „Tod“ kennen – im Gegensatz zu vielen Eltern.

„Das wird immer wieder bei den Infoabenden deutlich, die wir im Vorfeld anbieten“, sagt Moormeister. Einige Eltern hätten Schwierigkeiten mit dem Thema „und sie befürchten, dass es zu viel für die Kinder wird.“ Zu beobachten sei aber, dass es den Kindern meist besser gehe, wenn sie über den Tod sprächen. Sobald sie ihre Gedanken einmal laut ausgesprochen hätten, sei es nicht mehr so schlimm.

„Wir wissen jetzt, was ein Bestatter macht und wie ein Leichnam für die Beerdigung vorbereitet wird“, berichtet die neunjährige Fe. „Wir haben auch gelernt, was das Wort Leichenschmaus bedeutet“, ergänzt Jasmin (9).

Dass die Kinder selber keine Berührungsängste haben, zeigen die vielen Fragen, die bei den unterschiedlichen Themenbereichen wie zum Beispiel Trauer, Trost oder auch Sterben gestellt werden. „Aber die Kleinen können uns mit keiner Frage schocken“, sagt Gruppenleiterin Christina Krafochvil. „Durch unsere Schulung sind wir bestens vorbereitet.“

Ihr und ihren Kollegen ist es wichtig, dass der Tod nicht zu einem Tabuthema wird. „Schließlich darf man nicht vergessen, dass auch Kinder mit dem Tod in Berührung kommen – sei es durch verstorbene Familienmitglieder oder Haustiere.“

Den sieben ehrenamtlichen Hospiz-Mitarbeitern ist im Laufe der Woche besonders aufgefallen, dass die Kinder sensibler geworden sind und auch miteinander anders umgehen. „Die Mädchen und Jungen haben sich gegenseitig Trost gespendet, sie sind offener geworden und sie sind noch mehr zu einer Einheit zusammengewachsen“, weiß Klassenlehrerin Madlen Ludwig.

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