weather-image
27°

Wie kann Springe das Schützenfest retten?

SPRINGE/BREMEN. Die Ausrichtung des Schützenfestes steht auf der Kippe. Der Aufschrei war groß, als Jägercorps-Chef Frank Zipsner von den Problemen mit dem bisherigen Festwirt berichtete. Fakt ist aber auch: In den vergangenen Jahren waren immer weniger Springer zu der Feier gegangen.

Foto: Archiv
saskia

Autor

Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Dass es für die traditionellen Feste immer schwerer wird, weiß auch Dr. Dieter Brinkmann von der Hochschule Bremen. Wie aber kann Springe das Fest retten? „Es gibt eine immer größere Zahl an kommerziellen Veranstaltungen“, berichtet der Experte für angewandte Freizeitwissenschaft.

Das Problem aus seiner Sicht: die Instabilität der Gemeinden. „Die Feste funktionieren nicht mehr, weil die Gemeinschaften nicht mehr da sind“, erklärt Brinkmann. Die Springer pendeln nach Hannover, Hameln, Hildesheim und orientieren sich damit in einem immer größeren Radius – und der Anspruch steige immer weiter. „Die Menschen suchen die besonderen Ereignisse.“ Bedeutet das der Abschied von den Ritualen, die ein Schützenfest ausmachen? „Nein!“, betont Brinkmann.

Schließlich hätten auch Karnevalsveranstaltungen feste Rituale. An diesem Beispiel macht Hartmann aber deutlich, dass auch bei Traditionsfesten wie Karneval Erneuerungsprozesse stattfinden. „Neu sind zum Beispiel die kabarettistischen oder internationalen Elemente mit der Samba.“ Bei einem Schützenfest komme die Herausforderung dazu, dass nur ein engerer Kreis angesprochen ist. „Da ist es wichtig, die Jugend stärker einzubeziehen, die Landjugend, oder auch die Schulen und andere Gruppen, um mehr Menschen zu erreichen.“

Internationale Gäste etwa könnten ein anderes Publikum ansprechen als die traditionellen Schützenfestbesucher. „Früher gab es eine Gemeinschaft, heute schafft das Event, wenn es denn funktioniert, eine Gemeinschaft auf Zeit.“ Eine Veranstaltung stehe und falle mit den Aktiven, die das Fest ausrichten, ist Hartmann überzeugt. „Es hat sehr viel mit Inszenierung zu tun, das sieht man zum Beispiel beim Oktoberfest.“ Die Rituale, die „scheinbar an jeder Ecke“ zu finden seien, müssten also als Event stattfinden. Gleichzeitig aber seien die Auflagen und Sicherheitskonzepte immer anspruchsvoller geworden – eine riesige Hürde für Vereine, bedauert der Dozent. Dass der Aufschrei in Springe groß war, als feststand, dass das Schützenfest im Juni nicht stattfinden kann, könnte „neue Kräfte wach rütteln. Genau daraus kann sich eine neue Form entwickeln.“

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare