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16 Monate Gefängnis für Angreifer

„Wie ein wildes Tier, das sich nicht bändigen lässt“

Springe (mf). Ein 28-jähriger Ukrainer, der zu Jahresbeginn einen Springer Polizisten krankenhausreif geschlagen hat (NDZ berichtete), muss für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis. Das Amtsgericht verurteilte ihn gestern wegen Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.


Zum Verhängnis wurde Dmytro M., dass er Wiederholungstäter ist. Neben diverser anderer Delikte wurde er bereits zweimal wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. In beiden Fällen kam er mit einer Bewährungsstrafe davon – was ihm aber offenbar keine Warnung war. Eine dritte Chance gibt es nicht, machte Richterin Franziska Jaeger in ihrer Urteilsbegründung deutlich – zumal es für eine positive Sozialprognose keine Anhaltspunkte gebe.

Dmytro M. hatte am Abend des 4. Januar seine ehemalige Lebensgefährtin in deren Bennigser Wohnung besucht. Außer dem gemeinsamen Kind (4) waren noch eine Freundin und ein weiterer Bekannter anwesend. Zunächst sei die Stimmung noch ungetrübt gewesen. Als sie ihn nach Mitternacht aufgefordert habe zu gehen, habe M. dies nur widerwillig akzeptiert, berichtete die Ex-Partnerin.

Die Situation eskalierte, was wohl auch daran lag, dass im Verlauf des Abends etwa eineinhalb Flaschen Wodka geleert wurden. Als M. morgens gegen 6 Uhr zurückkehrte und ihm nicht mehr geöffnet wurde, rastete er aus und trat die Wohnungstür ein.

Seine unter Alkoholeinfluss unkontrollierten Gewaltausbrüche bekam auch die herbeigerufene Streifenwagenbesatzung zu spüren: Als die beiden Beamten seine Personalien aufnehmen wollten, griff der 28-Jährige sie mit gezielten Kampfsporttechniken an. In seiner Heimat hatte es der zwar nicht eben große, aber doch durchtrainierte Ukrainer während des Sportstudiums zum ausgewiesenen Judo-Meister gebracht.

Im Zuge der Auseinandersetzung stürzten M. und ein 40 Jahre alter Hauptkommissar acht Stufen im Treppenhaus hinunter. Während sich der Angreifer schnell berappelte, zog sich der Polizist einen Bänderriss im Sprunggelenk zu. Nur mit größter Anstrengung gelang es den Beamten, M. Fesseln anzulegen bis Verstärkung eintraf. „Wie ein wildes Tier, das sich nicht bändigen lässt“, habe sich M. aufgeführt, schilderte eine Zeugin. Und auch der verletzte Hauptkommissar erinnerte sich kopfschüttelnd: „So etwas habe ich in 24 Dienstjahren nicht erlebt.“

Polizist dienstunfähig nach Schlaganfall

Für ihn sollte der Einsatz noch ein überaus dramatisches Nachspiel bekommen. Einen Tag nach dem Vorfall erlitt er einen Schlaganfall und verlor vorübergehend Teile seines Seh- und Sprachvermögens. Auslöser war laut Untersuchungsbericht eine Gewalteinwirkung im Bereich der Halsschlagader. Am Zusammenhang mit den Vorgängen in Bennigsen „gibt es überhaupt keinen Zweifel“, machte ein als Gutachter hinzugezogener Arzt deutlich. Dass die Lähmungserscheinungen restlos zurückgegangen sind, sei „großes Glück im Unglück“ gewesen. Der Polizist ist aber nach wie vor dienstunfähig.

Dass er sich am Ende der Verhandlung bei seinem Opfer entschuldigte, wurde Dmytro M. ebenso strafmildernd angerechnet wie sein weitgehendes Geständnis. Anders als Verteidiger Christoph Rautenstengel sah Richterin Jaeger jedoch in der alkoholbedingt verminderten Schuldfähigkeit keinen ausreichenden Grund, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

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