weather-image
13°

Wie die Schulen Tablets in den Unterricht einbinden

SPRINGE. Tablets sind im Schulalltag bisher noch eher Ausnahme als Alltag. Doch im kommenden Schuljahr sollen zwei fünfte Klassen an der Integrierten Gesamtschule die Chance bekommen, erstmals mit I-Pads zu lernen.

Der didaktische Leiter der IGS, Kay Spiller, ist überzeugt vom Lernen mit I-Pads. Foto: Hermes
hermes

Autor

Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Ziel ist es, aus dem Pilotprojekt einen Dauerzustand zu machen.

„Es wird zwei Wahlklassen geben“, sagt Kay Spiller, didaktischer IGS-Leiter. „Die Eltern können bei der Anmeldung ihrer Kinder für das nächste Schuljahr selber entscheiden, ob sie an der I-Pad-Klasse teilnehmen sollen oder nicht.“ Voraussetzung ist allerdings, dass jeder Schüler sein eigenes Tablet hat.

„Uns ist wichtig, dass das Gerät dem jeweiligen Kind gehört. Dann hat es die volle Verantwortung für das Gerät – auch wenn es kaputt geht“, erklärt Spiller. Dadurch bekomme das Tablet für die Schüler eine andere Wertigkeit, als wenn es eine Leihgabe der Schule sei. Die Finanzierung müsse von den Eltern selber sichergestellt werden – „allerdings arbeiten wir mit einem Kooperationspartner zusammen, sodass wir die Geräte insgesamt etwas günstiger anbieten können“, so Spiller. Günstiger – das bedeutet inklusive der App-Lizenzen einen Preis von etwa 410 Euro.

Doch was sind die Vor-, was sind die Nachteile bei der zunehmenden Digitalisierung der Schulen? Und: Was kann das I-Pad, was herkömmlicher Unterricht nicht kann? „Wir sehen das Tablet als Werkzeug an, nicht als Allheilmittel“, betont Spiller. In einer I-Pad-Klasse zu sein, bedeute nicht, nie wieder ein Buch in die Hand zu nehmen oder nie wieder einen handschriftlichen Text zu verfassen. Ganz im Gegenteil. „Die Fünftklässler bekommen die regulären Schulbücher unentgeltlich dazu“, erklärt Spiller.

Allerdings erleichtere das Gerät viele Unterrichtsabläufe. „Mit dem I-Pad erhalten die Schüler ihre Arbeitsaufträge künftig auch in digitaler Form und nicht mehr nur auf Papier“, sagt Michael Topp, IGS-Fachbereichsleiter für Arbeit, Wirtschaft, Technik und Neue Medien.

Dadurch ergebe sich ein klarer Zeit-Vorteil. „Wir müssen kein Tafelbild mit Kreide mehr erstellen, nichts ausdrucken und die Kinder müssen auch nicht lange in ihren Unterlagen kramen“, fasst Topp zusammen. „Gerade für Kinder, die etwas chaotischer sind, ist das System ideal.“

Das Argument „Das ist nicht in meiner Mappe“ gelte dann nicht mehr. „Außerdem“, so betont der IGS-Lehrer, „können wir viel schneller mit der Diskussion anfangen. Und weil die Schüler drahtlos vernetzt sind, kann jeder seine Ergebnisse kurzerhand an die Wand projizieren.“

Die Motivation nehme deutlich zu. „Wir merken einfach, dass die Schüler ihre Inhalte mehr wertschätzen“, sagt Topp. Es sei für die Unterrichtsgestaltung sehr wertvoll, dass die Schüler mit dem Tablet immer ein Tonbandgerät, einen Fotoapparat und eine Videokamera griffbereit hätten. Es gehe primär um selbstgesteuertes Lernen und um die Minimierung von Frontalunterricht. „Die Schüler müssen neue Kompetenzen erlernen – gerade im Hinblick auf die Digitalisierung, um später in der Arbeitswelt bestehen zu können. Ich weise nur mal auf das Stichwort Industrie 4.0 hin“, sagt Topp. „Die Zeiten haben sich einfach geändert.“

Dass das I-Pad mehr Ablenkungspotenzial durch Spiele, soziale Netzwerke oder Nachrichten bietet, fürchten die Pädagogen nicht. „Es wird strikte Regeln geben – eine digitale Hausordnung sozusagen.“ Heißt: Spiele sind im Unterricht tabu. „Zudem werden wir per Firewall Zugriffe auf bestimmte Seiten blockieren“, betont Topp.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare