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Wie die Polizei Prügeleien zwischen Jugendlichen bewertet

SPRINGE. Zwei 14-Jährige gehen aufeinander los. Am Ende hat einer von beiden eine gebrochene Nase. Die Polizei vermeldet den Vorfall, die NDZ berichtet – und stößt auf Leser-Kritik: Schlägereien unter Schülern seien normal – und keine Meldung wert. Und was sagt die Polizei?

H. Retzlaff. Foto: Archiv

Autor:

Ssandra Hermes

Wir haben bei Hartmut Retzlaff, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes, nachgehakt.

Herr Retzlaff, am Freitag kam es zu einer Prügelei zwischen zwei Schülern. Ist das nicht eine Bagatelle, die ständig vorkommt?

Es handelt sich hierbei keineswegs um eine Kleinigkeit – immerhin hat sich einer der 14-Jährigen einen Nasenbruch zugezogen. Das ist dann auch keine Rangelei mehr; hier geht es um Körperverletzung und somit sprechen wir von einer Straftat.


Wird die Polizei Springe oft zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen gerufen?

Eher nicht. Am Freitag haben wir die Ermittlungen nur aufgenommen, weil auch ein Krankenwagen im Einsatz war. Es gibt ein großes Dunkelfeld. Oftmals handelt es sich auch um Konflikte, die in der Schule ausgetragen werden. Dann sind meist Sozialarbeiter oder Lehrer im Einsatz, die die Probleme zwischen den Schülern lösen. Erst wenn Jugendliche sehr oft auffällig werden, werden wir hinzugezogen.

Was kommt jetzt auf den 14-jährigen Täter zu?

Grundsätzlich handelt es sich um eine Straftat. Wenn wir Kenntnis davon haben, sind wir gezwungen, zu ermitteln. Wie es in diesem speziellen Fall weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Wir sprechen erst einmal mit allen Beteiligten und hören die Zeugen, um herauszufinden, wer die Ursache gesetzt hat. Dann geben wir unsere Infos an die Staatsanwaltschaft weiter.

Wer die Ursache gesetzt hat – also wer schuld ist?

Oftmals gibt es gerade bei Jugendlichen eine Vorgeschichte, die wir herausfinden müssen. Seien es Beleidigungen im Vorfeld, Streitigkeiten im Freundeskreis oder Ähnliches. Nicht immer ist derjenige, der geschlagen wird, auch das Opfer. Es gibt immer zwei Seiten.

Geht die Polizei mit körperlichen Auseinandersetzungen anders um, wenn Jugendliche beteiligt sind?

Ja, unbedingt. Wir müssen zunächst die Eltern informieren, damit die ihrer Mitwirkungsmöglichkeit nachkommen können. Erst wenn wir mit den Erziehungsberechtigten gesprochen haben, können wir detailliert mit den Jugendlichen über den Tathergang reden. Natürlich dürfen die Eltern bei der Befragung immer dabei sein. Wir haben eine spezielle Jugendsachbearbeiterin, die in solchen Fällen hinzugezogen wird. Auch die Vorladung wird hinterher an die Eltern adressiert.

Wie bewerten Sie generell die Gewalt unter Jugendlichen in Springe?

Sicherlich gibt es deutlich mehr Prügeleien, von denen wir keine Kenntnis haben. Aber in Springe gibt es das Phänomen Jugendbande zum Glück nicht. Und Jugendbanden begehen meist noch ganz andere Straftaten, zum Beispiel Sachbeschädigungen oder Einbrüche.

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