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Wie das Projekt „DorfstattStadt“ fürs Landleben wirbt

MITTELRODE. Als Vorreiter sieht er sich nicht. Tim Hartmann gibt offen zu: „Mit meiner Idee war ich nicht der Erste.“ Trotzdem, so sagt er, gehe er sein Projekt anders an als die anderen – mit Herz. Die NDZ hat gefragt: Was macht eigentlich das Projekt „DorfstattStadt?“

Tim Hartmann (rechts) dokumentiert für seine Seite „DorfstattStadt“ das Leben auf dem Land. Hier: die Maisernte.
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Angefangen hatte für den Mittelröder alles im Januar 2015. Auf seiner Facebook-Seite präsentiert sich Hartmann als Vollzeit-Dorfkind. Er schreibt dort regelmäßig kurze Texte aus der Rubrik „Leben auf dem Dorf ist...“. Zudem postet er Videos über sich und seine Freunde. Er lässt die Menschen an seinem persönlichen Land-Leben teilhaben. „Liebeserklärungen ans Dorf“, nennt er das.

Hatte er sich zum Start vor zwei Jahren schon über 800 Facebook-Fans gefreut, sind es heute mehr als 16 000. Das ist aber noch nicht alles. Ebenso viele begeisterte Landliebhaber folgen ihm auf seinem Profil bei Instagram. „Die Entwicklung ist schon enorm“, sagt er stolz.

Im Gegensatz zur Konkurrenz wolle er aber damit kein Geld verdienen. „Es gibt viele ähnliche Portale, die täglich Sprüche posten und damit auch sehr erfolgreich sind“, berichtet er. Allerdings stünden hinter solchen Formaten meistens keine Privatpersonen, sondern Firmen. „Letztlich versuchen sie, über die Sprüche einen hohen Content zu erreichen“, so der Mittelröder. Der Trick sei dann, versteckt Werbung zu positionieren oder einen Link zu Online-Verkaufsanbietern zu veröffentlichen, damit die Nutzer dann gegebenenfalls das dort angebotene Produkt kaufen.

Hartmann betont: „So etwas mache ich nicht. Für mich ist das eine reine Herzensangelegenheit, ein Hobby, in dem ich voll aufgehe.“

Stattdessen möchte er erreichen, dass sich Leute vom Dorf aus ganz Deutschland stärker miteinander vernetzen, über ihre Heimat ins Gespräch kommen. Trotzdem schaue er sich öfters mal an, was die Konkurrenz macht. Aber nicht, um sich etwas abzuschauen: „Für mich ist das keine Inspiration. Im Gegenteil. Ich musste schon einige Male feststellen, dass Fotos und Sprüche von meiner Seite geklaut wurden.“ Das lässt er aber nicht auf sich sitzen. „Ich gehe schon dagegen an“, sagt er. Meistens klappe das aber auf dem kurzen Dienstweg.

Ansporn für das zeitaufwendige Projekt erhalte er vor allem durch die vielen Erlebnisse, die sich aktuell ergäben. So sei er beispielsweise im vergangenen Jahr von dem Modeunternehmen Engelbert Strauss nach Oberhausen eingeladen worden, um sich die Hauptzentrale anzuschauen und den Geschäftsinhaber kennenzulernen. Passend dazu postete Hartmann dann auf Facebook: „Engelbert Strauss ist das Prada der Dorfkinder“.

Ein weiteres Highlight für den jungen Mann aus Mittelrode: Er durfte auf einer Webkonferenz in Hannover einen Vortrag über „DorfstattStadt“ halten. Für 2017 steht auch schon einiges an. Aktuell hat Hartmann eine Anfrage für die „Grüne Woche“ in Berlin auf dem Tisch liegen. „Ein Verein, der sich dort präsentieren wird, hat mich gebeten, ein Angebot für Videoproduktion zu unterbreiten.“ Ob das was wird wird, ist noch unklar. „Ich bin aber für alles offen“, so der 23-Jährige.

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