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Der Verbund zwischen BBS und Hauptschulen am Deister läuft seit einem Schuljahr – eine Bilanz

Wenn Schule das Selbstbewusstsein stärkt

Springe (jemi). Der 15-jährige Ardian aus Gehrden freut sich schon auf das nächste Schuljahr: „Da kann ich endlich richtig anpacken.“ Ardian besucht die Burgbergschule in Gehrden und nimmt ab nächstem Schuljahr am „Schulverbund am Deister“ teil. Vor einem Jahr lief das Projekt der Berufsbildendem Schule Springe (BBS), der Gerhart-Hauptmann-Schule, der Lisa-Tetzner-Schule (Barsinghausen) und der Burgbergschule an.

Ardian aus Gehrden macht im nächsten Schuljahr beim Schulverbund

Obwohl nicht alle Schüler den Schulversuch so motiviert angehen wie Ardian, sei bei sehr vielen Teilnehmern eine positive Entwicklung erkennbar, findet Koordinator und BBS-Lehrer Günter Blötz. Die Hauptschüler bekommen an der BBS die Möglichkeit, in Berufe hineinzuschnuppern und somit auch die Praxis kennenzulernen. 14 Stunden pro Woche lernen die Jugendlichen der Klassen 9 und 10 an der BBS, 20 Stunden an ihrer Stammschule. „34 Stunden, das ist eine enorme Belastung für die Schüler. Aber sie ist zu meistern“, glaubt Blötz.

Wichtigster Effekt dieses Versuchs sei die Stärkung und Wiederherstellung des Selbstbewusstseins der Jungen und Mädchen. „Das Image der Hauptschulen hat in den vergangenen Jahren erheblich gelitten“, sagt Schulleiter Carsten Huge von der Burgbergschule. Dagegen wolle man mit dem Projekt ankämpfen. Auch Waltraut Korbjun, Rektorin der Lisa-Tetzner-Schule, hat ähnliche Phänomene beobachtet: „Die Schüler sind häufig mutlos und desorientiert.“ Aus diesem Grund sei es sehr wichtig, diese Möglichkeit der zweijährigen Berufserfahrung auszuschöpfen und voranzutreiben. Wer einen erfolgreichen Abschluss macht, werde den Lohn auch auf dem Zeugnis sehen, betont die Schulleiterin der Gerhart-Hauptmann-Schule, Brigitte Lochte-Holtgreven.

In Absprache mit der Handwerkskammer können die Schüler ihre Ausbildungszeit auch um ein Jahr verkürzen. Außerdem werden die Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt.

An dieser Stelle sei auch der Unterschied zum deutlich bekannteren Neustädter Modell zu sehen, sagt Blötz. Der Schulverbund am Deister sei sicherlich daran angelehnt, aber es seien eben auch diverse Besonderheiten vorhanden: beispielsweise die Beteiligung von vier Schulen und die Auswahl der Berufsfelder, die die Schüler wählen können. Im nächsten Schuljahr kommen mit Bautechnik und Pflege/Hauswirtschaft sogar noch zwei weitere Bereiche dazu.

Zum Schluss betont Rektor Huge noch einmal die Wichtigkeit des Schulversuchs: „Wir dürfen nicht eines der Kinder verloren geben.“ Es sei wichtig, dass die Schulträger die finanziellen Mittel dafür bereitstellten – damit nicht nur Ardian im nächsten Jahr kraftvoll anpacken kann.

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