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Aktionstag „Bauer hält Hof“ bei Landwirt Bartels / Bewegung gegen Agrarindustrie stellt Ziele vor

„Wenn schon Fleisch essen, dann bewusst“

Springe (ric). Rudolf Krause nimmt kein Blatt vor den Mund: Bis vor Kurzem sei Springes Landwirtschaft noch gut weggekommen, jetzt würden sich die Zeiten durch die Biogasanlage und Hähnchen-Mastanlagen in Boitzum ändern. „Wir müssen Flagge zeigen“, sagte er in Gegenwart von Bürgermeister Jörg-Roger Hische. Aus genau diesem Grund haben sich gestern knapp 100 Interessierte auf dem Biohof von Marit und Friedrich Bartels eingefunden – auf einem Familienbetrieb mit Vorbildfunktion.

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Eingeladen hatte die Initiative Meine Landwirtschaft. Vor Ort zeigten sich Vertreter von Naturschutzbund, Brot für die Welt, Slow Food, Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, Milchviehhalterbundesverband, Tierschutzbund Niedersachsen und Bund für Umwelt und Naturschutz. Hannelore Plaumann vom BUND ist sich sicher: Massentierhaltung kann nicht gut gehen. Wenn Tiere auf engstem Raum gehalten werden, kämen immer mehr Antibiotika zum Einsatz – mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit der Konsumenten: „Ärzte beobachten das immer häufiger: Die Resistenzen nehmen zu.“

Ulrich Schulze, Sprecher der Bewegung „Pro Mut“ überzeugte sich auf Bartels‘ Eschenhof davon, dass Ökolandwirte wirtschaftlich auch gut dastehen können. „Aber das muss auch politisch gewollt sein.“ Seine Initiative kämpft gegen Hähnchen-Mastanlagen, insbesondere die in Boitzum. Er regt Verbraucher dazu an, über ihr Kaufverhalten nachzudenken. „Wenn schon Fleisch essen, dann bewusst.“

Bartels schloss sich der Bewegung „Meine Landwirtschaft“ an, der neben Ökolandwirten auch konventionelle Bauern aus kleinen und mittleren Betrieben sowie Verbrauchern aus breiten Bevölkerungsschichten angehören. Das Netzwerk aus 40 Organisationen will dazu beitragen, neue Wege zu gehen. Zu ihren zentralen Forderungen gehört, das „Menschenrecht auf gesunde Nahrung weltweit durchzusetzen“, Vielfalt statt Monokulturen zu fördern, das Klima zu schützen, aber auch Grünland zu erhalten und die Würde der Tiere zu achten. Industrielle Haltung dürfe nicht länger subventioniert werden, dafür müssten Mindestlöhne und Antidumping-Gesetze in der Land- und Lebensmittelwirtschaft eingeführt werden.

Die Aktion fand anlässlich des Informationstages „Bauer sucht Hof“ statt. In ganz Deutschland zeigten Betriebe Alternativen zur industriellen Landwirtschaft auf.

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