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Wenn das Jugendamt in Springe durchgreifen muss

SPRINGE. Eltern, die überfordert sind. Jugendliche, die gewalttätig werden: Das Jugendamt der Region hat auch in Springe einiges zu tun. Mindestens einmal pro Monat mussten die Helfer im vergangenen Jahr zum äußersten Mittel greifen – und ein Kinder oder einen Heranwachsenden aus der Familie oder der Einrichtung herausholen. „Inobhutnahme“ nennt sich das.

Wenn nichts mehr geht, greift das Jugendamt durch: 16 Inobhutnahmen gab es im vergangenen Jahr in Springe. Foto: dpa
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Für die Neue Deister-Zeitung hat die Region nun ergänzend zu ihrem allgemeinen Bericht für 2016 auch detaillierte Zahlen für Springe vorgelegt. Demnach waren unter den 16 Inobhutnahmen sieben Fälle, in denen die Kinder oder Jugendlichen direkt aus der eigenen Familie geholt wurden. Sechs mal schritt das Jugendamt in einer betreuten Einrichtung ein – drei Mal ging es um Jugendliche ohne feste Unterkunft oder mit unbekanntem Wohnort.

Die Mehrzahl der Inobhutnahmen in Springe betraf Kinder und Jugendliche über zwölf Jahre; allein fünf von ihnen waren 16 oder 17 Jahre alt. Aber auch drei Kleinkinder im Alter von bis zu drei Jahren tauchen in der Statistik auf. Die Mehrheit der Betroffenen brachte das Jugendamt erst einmal in einer Betreuungseinrichtung unter – nur bei drei der 16 Fälle gab es die Möglichkeit, in einer neuen Familie (etwa bei Pflegeeltern oder Verwandten) einen Platz zu finden. Die Region erklärt, Grundlage für die Unterstützung bei Problemen sei immer häufiger eine direkte Bitte um Hilfe von Eltern, Nachbarn, Verwandten oder gar den Kindern und Jugendlichen selbst: „Wir erleben immer mehr, dass sich Menschen direkt an uns wenden, wenn sie sich Sorgen um das Wohl von Minderjährigen machen. Das ist eine große Hilfe für unsere Arbeit“, sagt etwa Sozialdezernent Erwin Jordan.

Ein Blick auf Springe bestätigt das: Immerhin die Hälfte aller Anregungen zur Inobhutnahme in der Stadt ging im Jahr 2016 auf solche Hinweise zurück – entweder von den Kindern und Jugendlichen (vier Fälle), den Eltern (zwei), der Polizei sowie Nachbarn und Verwandten (je ein Fall). Acht Mal leitete das Jugendamt selbst den Prozess ein.

Um noch gezielter auf Probleme aufmerksam zu werden, greift die Region seit gut zwei Jahren etwa auf eine telefonische Beratung für Fachkräfte zurück. Dort können sich beispielsweise Erzieher oder Lehrer Hilfe holen, wenn sie den Verdacht auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung haben. Regionsweit gingen dort im Jahr 2016 laut Statistik 240 Anrufe ein. Wenn das Jugendamt einen Hinweis bekommt, erfolgt zunächst eine Bewertung durch mehrere Fachkräfte – zusammen mit der Familie sowie dem Umfeld des Kindes oder Jugendlichen. Bei gut 20 Prozent der geprüften Fälle lag tatsächlich eine Gefährdung vor, 35 Prozent der Familien wurde zumindest Hilfe angeboten. Regionsweit kam es zu 210 Inobhutnahmen – 16 davon in Springe. Regionssprecherin Sonja Wendt betont, der Ansatz des Jugendamts liege stets darin, die Familien zu Hause zu unterstützen und gemeinsam Konflikte zu lösen. Eine Inobhutnahme erfolge nur dann, wenn das nicht möglich sei. Gleichzeitig arbeite man dann immer daran, eine mögliche Rückkehr in die Familie zu prüfen.

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