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Warum „Schwägermann“ nicht unter Denkmalschutz steht

BENNIGSEN. Seit 1859 gehört der Gasthof Schwägermann zu Bennigsen, die Straße „Schusterhöfe“ ist ohne das altehrwürdige Fachwerkgebäude nur schwer vorstellbar. Trotzdem wird die Gaststätte in absehbarer Zeit verschwinden. Und der Denkmalschutz? Wir haben nachgefragt.

Foto: Ackermann
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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

„Ein hohes Alter allein reicht nicht“, erklärt Astrid Bulla, zuständige Baudenkmalpflegerin der Springer Stadtverwaltung. Für Bennigsen sind zahlreiche Denkmäler verzeichnet, ein Gasthaus taucht in der Liste aber nicht auf. Als Schätze gelten die evangelische Kirche, der Kirchhof und das Pfarrhaus. Mehrere Spalten füllt das Rittergut, auch Details wie der Schöpfbrunnen im Innenhof werden beschrieben. Dazu kommt die Schmiede.

Aufgeführt werden auch zwei Wohnhäuser in Gutsnähe, die Wassermühle, drei Wohnhäuser an der Hauptstraße, eines am nördlichen Ende der Schusterhöfe sowie ein historisches Gebäude mit Parkanlage am Meierhofweg. Das Kriegerdenkmal und die Mühle am Hainhopenweg runden das Verzeichnis ab.

Erstellt wurde das Dokument in den Jahren 1984 und 1985, weiß Bulla. Damals gab es eine umfassende Bestandsaufnahme. Es müsse gute Gründe gegeben haben, warum „Schwägermann“ ausgelassen wurde, sagt Bulla.

Allgemein gelte: Damit etwas als Bau- oder Kunstdenkmal ausgewiesen wird – und folglich von den Eigentümern im öffentlichen Interesse erhalten werden muss – muss eine besondere geschichtliche oder künstlerische, wissenschaftliche oder städtebauliche Bedeutung vorliegen. „Es handelt sich nicht um eine starre Liste“, sagt Bulla mit Blick auf das Springer Verzeichnis, „wir können sie ändern, wenn es besondere Gründe gibt“.

Das „Verzeichnis der Bau- und Kunstdenkmale für Niedersachsen“ wird in Hannover geführt. Das Landesamt betont, weniger als fünf Prozent der Gebäude seien geschützt: „Es bleibt in Gegenwart und Zukunft ein großer Spielraum für neue Architektur sowie die städtebauliche und kulturlandschaftliche Weiterentwicklung.“

Wirt Stefan Schwägermann führt seinen Gasthof in siebter Generation. Der Betrieb läuft noch bis mindestens Ende Mai uneingeschränkt weiter. Ein Investor will die Gebäude anschließend abreißen und vier Mehrfamilienhäuser errichten.

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