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Warum in Springe nachts bald die Lampen anbleiben könnten

SPRINGE. Es wäre eine kleine Revolution: Heute soll die Politik nach 14 Jahren über das Aus für die Nachtabschaltung entscheiden. Die Verwaltung empfiehlt diesen Schritt nach einer aufwändigen Überprüfung – und denkt langfristig. Denn kurzfristig sind die Kosten für die Umrüstung zwar höher – ab 2027 lohne sich das.

An oder aus – das ist bei der Straßenbeleuchtung, wie hier an der Bahnhofstraße, die Frage. FOTO: ARCHIV
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Im Sommer 2003 hatte der Rat die Abschaltung eingeführt: Seitdem gehen jede Nacht zwischen 1 und 4 Uhr die Laternen aus. Anpassungen und Ausnahmen gab es seitdem immer wieder: So sind die Zeiten inzwischen größtenteils an den S-Bahn-Fahrplan angepasst; bei größeren Volksfesten brannten auch mal die Lampen durchgehend.

Doch nicht zuletzt die extrem störungsanfällige Steuerung der Beleuchtung machte dem System in den vergangenen Jahren zu schaffen: Hin und wieder blieben die Laternen nachts ungeplant an, leuchteten auch tagsüber oder schalteten sich abends gar nicht erst ein.

Und dann war da auch noch die Sicherheitsdebatte: Im Oktober 2009 wird eine 16-Jährige nachts am Kurzen Ging bedroht und missbraucht. Der Täter schlägt im Schutz der Dunkelheit zu. Jahre später stellt sich heraus: Es war der Serienverbrecher Klaus R. Der Familienvater aus Springe beging über die Jahre viele solcher Taten: Ende 2014 wird er verurteilt. Damals löste der Vorfall erneut eine Sicherheitsdebatte aus: Unter anderem forderte die Mutter des Opfers in der NDZ ein Abschaffen der Nachtabschaltung. Die besagte Anpassung an die S-Bahn-Zeiten war damals ein Ergebnis.

Bis zuletzt hatte die Stadt trotz allem an der Abschaltung festgehalten – und auch einen entsprechenden Vorstoß der CDU Anfang des Jahres mit Verweis auf die Einsparungen abgelehnt. Und dann? „Habe ich mich selbst eines Besseren belehren lassen“, räumt Fachbereichsleiter Gerd Gennat offen ein.

Er und seine Mitarbeiter rechneten nach einer Diskussion im zuständigen Ausschuss alle möglichen Varianten für Abschaltung, Dimmung und Austausch von Leuchtmitteln durch. Ergebnis: In den kommenden zehn Jahren (im Jahr 2027) wird die Umrüstung aller gut 3600 Laternen auf LED-Technik samt Stromkosten für die nächtliche Beleuchtung 2,66 Millionen Euro kosten – und damit erstmals etwas weniger als die günstigere Variante: eine teilweise Umrüstung samt Nachtabschaltung. Über die Jahre danach wird sich die Ersparnis laut Stadt weiter steigern.

Um auf diese Summen zu kommen, ist laut Gennat aber auch eine technische Neuerung nötig: Die LED-Technik ist dimmbar. Und das will die Stadt auch umfangreich ausnutzen. Ausgehend von etwa 4000 Betriebsstunden im Jahr würden die Laternen nur etwa 700 Stunden auf voller Kraft laufen. Und den Rest der Zeit je nach Straßenzügen und Verkehrsaufkommen gedimmt: auf bis zu 30 Prozent Lichtstärke etwa zwischen 22.30 und 5 Uhr.

Bei den Berechnungen sei man vom Autoverkehr ausgegangen, sagt Gennat. Der nehme jedoch meist analog zum Fußgängerverkehr ab und zu. Als Daumenregel gelte: je weniger Verkehr auf den Straßen unterwegs sei, desto dunkler soll es werden.

Der Bauausschuss diskutiert heute ab 18 Uhr in der Werkstatt des Bauhofs (An der Haller) über dieses und andere Themen.

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