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War Fremdenhass der Auslöser des Brandanschlags?

Springe/Hannover. Platzt der Salzhemmendorf-Prozess? Rechtsanwalt Christoph Rautenstengel, Verteidiger der angeklagten Springerin Saskia B. (24), beantragte gestern Mittag, das Verfahren auszusetzen. Den Grund in unserem Artikel. 

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VON AXEL STURM

Springe/Hannover. Platzt der Salzhemmendorf-Prozess? Rechtsanwalt Christoph Rautenstengel, Verteidiger der angeklagten Springerin Saskia B. (24), beantragte gestern Mittag, das Verfahren auszusetzen. Grund: Von den 13 Nebenklägern (durchweg aus der vom Anschlag betroffenen Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf) wollen vier Männer an dem Verfahren nicht teilnehmen.

Dies teilte Rechtsanwalt Nicolai Zipfel gestern dem Schwurgericht per Fax mit. Zipfel zur NDZ: „Ich vertrete die vier Nebenkläger in ihren Asylverfahren. Sie interessieren sich für den Prozess, wollen aber nicht selber auftreten oder dabei sein.“

Am Mittwoch waren denn auch nur zwei Nebenkläger zum Prozessauftakt erschienen. Darunter Margarete M. D. (34), dreifache Mutter aus Simbabwe. In das Schlafzimmer ihres Sohns (11) war am 28. August 2014 nachts ein Molotowcocktail geschleudert worden. Deshalb sind Dennis L.(31), Werfer des Brandsatzes, sein Kumpan, Feuerwehrmann Sascha D. (25) sowie Saskia B. aus Springe wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagt worden.

Clemens Anger (37), Verteidiger von Sascha D. beantragte, die bislang nicht erschienenen Nebenkläger als Zeugen zu vernehmen. Möglicherweise seien deren Prozessvollmachten durch „Haustürgeschäfte“ erschlichen worden. Ein in Hannovers Justizgeschichte bislang einmaliger Vorgang. Rautenstengel und Anger zur NDZ: „Es wird zu prüfen sein, ob hier ein Straftatbestand oder ein standesrechtliches Fehlverhalten vorliegt.“

War Fremdenhass der Auslöser des Brandanschlags? Ein Schüler (16) hatte mit Dennis L. über die Handy-Anwendung „Whatsapp“ gechattet. Er schickte dem doppelt so alten Angeklagten Emojis (Männchen mit Hakenkreuz) und empörte sich darüber, dass ein Naturfreundehaus zur Asylbewerber-Unterkunft umgewandelt werden sollte. Dennis L. antwortete: „Schmeiß mit Pflastersteinen!“ Der Schüler: „Hab nur Blei!“ Und als diskutiert wurde, dass die Grundschule zum Flüchtlingsheim umgebaut wird, schrieb der Schüler: „Ich bete darum, dass es abgefackelt wird!“ Zwei Tage vor dem Anschlag schickte der Schüler dem Angeklagten ein Foto des Asylheims, auf das Dennis L. den Brandanschlag verübte.

Rechtsradikales Gedankengut wurde bei der Vernehmung von Robert S. (22) deutlich. Der Neo-Nazi, seit fünf Jahren mit Dennis L. und Sascha D. befreundet, teilte mit den Angeklagten im Chatroom „Hakenkreuz-Garage“ seine „Gedanken über die politische Situation in unserem Land“. Dabei bezeichnete sich Dennis L. als „der neue Adolf“. Und viele Chats endeten mit „Sieg Heil“ und „Fette Beute“.

Völlig unpolitisch sei der Hauptangeklagte dagegen bei seiner Arbeit und beim Angeln gewesen. Dies bestätigte sein Vorgesetzter. Und Arbeitskollege Romik M. bezeichnete sich als guten Freund des Angeklagten. Der gebürtige Armenier: „Dennis war für mich wie ein jüngerer Bruder. Von Fremdenhass habe ich nichts gespürt!“

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