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Wärmenetz: Was passiert, wenn Förderung geringer ausfällt

SPRINGE/BRAUNSCHWEIG. Der Förderbescheid aus dem Bundesumweltministerium für den Bau eines Fernwärmenetzes lässt weiter auf sich warten. Kein Problem, sagt Stadtwerkesprecherin Stephanie Döring, das Projekt sei nicht gefährdet. Das bekräftigt auch Bürgermeister Christian Springfeld.

Lutz Starke (rechts) zeigt Bürgermeister Christian Springfeld und Ursel Postrach die Kesselasche. Stefan Ludewig zeigt die Steuerungsanlage. FOTOS: SZABO

Autor:

PATRICIA SZABO UND RALF T. MISCHER

Springfeld macht aber auch deutlich, dass neu über das Fernwärmenetz nachgedacht werden müsste, wenn die Fördersumme geringer ausfallen sollte. Eigentlich ist vorgesehen, dass bis zu 80 Prozent der Kosten für die geplanten Leitungen durch Springe mit Geld des Bundesumweltministeriums finanziert werden. Ein Ortstermin im Heizwerk.

Braunschweig, Sonnabend, 10 Uhr: Eine Delegation aus 14 Ratsmitgliedern und einigen Springer Bürgern reist gemeinsam mit Bürgermeister Christian Springfeld und Stadtwerke- Chef Marcus Diekmann in die Großstadt im Südosten Niedersachsens. Ziel: das Biomasse-Heizkraftwerk Hungerkamp. Denn eine ähnliche Anlage soll, laut Zeitplan 2018, auch in Springe gebaut werden und das neue Fernwärmesystem mit Energie versorgen.

Ob es aber eine Förderung für das Projekt gibt – und in welcher Höhe, steht noch nicht fest. Es müssten „noch Details geklärt werden“, wie es seitens der Stadtwerke heißt. Und Springfeld versichert, dass der ausstehende Förderbescheid die Projektmacher nicht in Bedrängnis bringe – „wir möchten aber schon wissen, wie wir gefördert werden.“ Sollte die Förderung geringer ausfallen als anvisiert, müsse neu über das Projekt nachgedacht werden.

Klar ist: Auch wenn die Fördersumme geringer ausfällt, als die anvisierten 80 Prozent, wollen die Planer bauen. Um Kosten zu sparen, könnten die neuen Wärmeanschlüsse, die Fernwärme-Nutzer mit Energie versorgen, kostenpflichtig werden. Bisher ist geplant, sie kostenfrei anzubieten. Eine weitere Option könnte sein, das Heizwerk etwas kleiner zu bauen, als geplant.

Von der Variante in Braunschweig jedenfalls ist Bürgermeister Christian Springfeld nach der Besichtigung begeistert: „Man sieht nichts, man riecht nichts. Besser geht es gar nicht.“ Die Anlage lasse wenig Raum für Zweifel. Das emissionsarme Kraftwerk wirke auf ihn nicht überdimensioniert, auf dem Gelände riecht es tatsächlich angenehm nach Holz und der Geräuschpegel entspricht etwa dem eines leise brummenden Kühlschranks.

Die Feinstaubemission liegt, nach Angaben der Betreiberin BS-Energy, durch zusätzliche Filteranlagen mit vier Mikrogramm weit unter den vom Bundesumweltministerium vorgeschriebenen Werten von 50 Mikrogramm am Tag. „Jeder der Bedenken hat, sollte sich das Kraftwerk anschauen“, meint Springfeld.

Das von den Stadtwerken Springe geplante Holzschnitzelkraftwerk und ein neues Fernwärmenetz für Warmwasser und Heizung soll als erstes Projekt dieser Dimension in Europa werden. Ein Vorzeigeprojekt. Der Bau einer ähnlichen Anlage in Springe liegt auf der Hand, meinen die Planer: Neben den Plänen, das Restholz aus dem Stadtwald zu beziehen, sollen auch Altholz und Holzabfälle aus dem Landschaftsbau verwendet werden, die ohnehin anfallen.

Doch lohnt sich der Bau eines solchen Kraftwerks? Eine immer bessere Dämmung der Häuser führt schließlich dazu, dass immer weniger Energie benötigt wird. Auch daran wurde gedacht: Das Projekt ist großzügig dimensioniert. Die Leitungen werden so gebaut, dass bei Bedarf immer mehr Wohnanlagen angeschlossen werden können. So soll das Projekt auch in der Zukunft rentabel bleiben.

„Wenn die Genehmigungen ins Stocken geraten, ist das Projekt hinfällig“, räumt Projektleiter Henryk Riemann ein. Er rechnet fest damit, dass das Bauvorhaben in Springe auch Kritiker auf den Plan rufen wird: „Baustopps müssen vermieden werden. Sobald es ein Okay gibt, werden die Bauarbeiten beginnen.“

Die lokale Politik sowie die anwesenden Bürger stellten sich demonstrativ hinter den Bau der Anlage. Für die Anwohner sei es eine „Win-Win-Situation“, denn sollte das Bauprojekt umgesetzt werden, bekämen die Menschen im Rahmen der Bauarbeiten neue Hausanschlüsse, hoffte Peter Lobensteiner. Und Springfeld lobte auch das Gesamtpaket, das Bürgern, die mit der neuen Fernwärme heizen möchten, geboten werden soll: Mit der Wärmeleitung erhalten sie gleichzeitig auch eine Glasfaserleitung direkt ins Haus. Die ist eigentlich für die Steuerung des Wärmenetzes vorgesehen. Kann aber von den Verbrauchern auch für schnelles Surfen, Telefonieren und das Herunterladen von Filmen genutzt werden.

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