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Bahnschrankenanlage an der Jägerallee fällt für zwei Stunden aus / Unfall nur knapp verhindert

Vorsicht, Zug!

Springe. Donnerstagmittag, 12 Uhr. Richard Keuntje geht mit seinem Hund an der Fünfhausenstraße spazieren, als es plötzlich laut quietscht und eine Sirene ertönt. Als sich der 83-jährige Springer umdreht, um herauszufinden, woher der Lärm kommt, sieht er gerade noch, wie die Lok der S-Bahn kurz vor dem Bahnübergang an der Jägerallee zum Stehen kommt und ein Kleinlaster hastig von den Gleisen zurückfährt. Die beiden Fahrzeuge trennen nur wenige Meter. Die Schranken, die sonst bei einer Zugdurchfahrt heruntergelassen werden, sind hochgezogen; die Ampel für Passanten und Autofahrer leuchtet nicht rot.

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Autor:

von Jennifer Schüller UND RALF T. MISCHER

„Dass da nicht mehr passiert ist, ist ein Wunder“, sagt Keuntje. Zuerst hatte er seinen Augen nicht trauen wollen, als sich diese gefährliche Situation direkt vor seiner Nase abspielte. „Ich hab schon nach Kameras Ausschau gehalten, weil das wie im Film ablief“, sagt der Senior. Doch da gab es keine Kameras, keine Schauspieler, keine Stunts – nur eine defekte Schrankenanlage.

„Ich hab mich dann geärgert, dass ich keine Kamera dabei hatte, um Bilder zu machen“, sagt Keuntje. Einem älteren Herrn würde man vielleicht nicht glauben, denken er habe Alzheimer, sich etwas eingebildet, so der 83-Jährige.

Keuntje war aber nicht der Einzige, der die brenzlige Situation beobachtet hat. Zweimal wurde die Polizei alarmiert, um nach dem Rechten zu schauen, doch als die Beamten vor Ort waren, funktionierte wieder alles.

Während die örtliche Polizei keinen gefährlichen Vorfall beobachten konnte, bestätige Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der Deutschen Bahn, dass es zwischen 11.33 und 13.20 Uhr zu einem Ausfall der Technik in der Schrankenanlage in Springe gekommen sei. Die Folge: Während dieses Zeitraums konnte die Schranke nicht abgesenkt werden. Auch wenn ein solcher Fall äußerst selten eintrete, die Bahn sei, laut Angaben des Sprechers, darauf vorbereitet gewesen. „Für diesen Zeitraum bekommen die Lokführer einen schriftlichen Befehl“, sagt Meyer-Lovis.

Der sehe vor, dass sie den Zug vor dem betroffenen Übergang abbremsen muss und erst dann passieren darf, wenn klar ist, dass alle Verkehrsteilnehmer vor der Schranke halten. „Das ist ein ganz normales Prozedere“, so Meyer-Lovis.

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